Paris: Drei Tote nach Polizeieinsatz - Frau sprengt sich in die Luft

20. November 2015 - 12:10 Uhr

Schusswechsel in Saint-Denis

Der Anti-Terror-Einsatz in Saint-Denis nördlich von Paris wurde beendet. Bei dem Polizeieinsatz nach den Terroranschlägen von Paris wurden zwei Terrorverdächtige getötet, so der französische Innenminister Bernard Cazeneuve. Unter den Toten ist eine Frau, die sich selbst in die Luft gesprengt habe. Sie habe bei Beginn des Zugriffs der Polizei in einer Wohnung ihre Sprengstoffweste gezündet, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Ein weiterer Mann sei von Schüssen und Granaten tödlich verletzt worden, sagte Staatsanwalt François Molins.

Anti-Terror-Einsatz in Paris
Einsatzkräfte im Pariser Vorort Saint-Denis bei einem Anti-Terror-Einsatz.
© dpa, Etienne Laurent

Am Freitagmorgen wurde bekannt, dass in der Wohnung eine dritte Leiche gefunden wurde.

Sieben Personen wurden festgenommen, darunter ein Mann, der die Wohnung als Unterkunft zur Verfügung gestellt hatte. Zwischen den festgenommenen mutmaßlichen Terroristen und den Anschlägen in Paris gibt es nach Angaben von Frankreichs Präsident François Hollande eine Verbindung.

Bei dem Einsatz seien auch fünf Polizisten einer Spezialeinheit leicht verletzt worden. Ein Polizeihund wurde getötet. Der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge vom vergangenen Freitag, Abdelhamid Abaaoud, soll sich in Saint-Denis mit mehreren Männern in einer Wohnung verschanzt haben. Anwohner wurden aufgerufen, in ihren Wohnungen zu bleiben. "15.000 bis 20.000 Personen wohnen in dem Viertel des historischen Zentrums und dürfen derzeit ihre Wohnungen nicht verlassen", sagte der beigeordnete Bürgermeister Stéphane Peu der Zeitung 'Le Parisien'. Etwa 15 Menschen, darunter Kinder, seien aus dem von den Spezialkräften gestürmten Gebäude in Sicherheit gebracht worden.

Telefonüberwachung brachte die Polizei auf die Spur

Auswertungen überwachter Telefongespräche haben die französischen Ermittler auf die Spur der Terrorverdächtigen in Saint-Denis gebracht. Daraus hätten sich Hinweise ergeben, dass Abdelhamid Abaaoud sich dort in einer konspirativen Wohnung aufhalten könnte, sagte der für Terrorismus zuständige oberste Staatsanwalt François Molins am Mittwoch nach dem Ende der stundenlangen Aktion.

Die Aktion sei im Zuge des Anti-Terror-Kampfes erfolgt, bestätigte die Pariser Staatsanwaltschaft. Medienberichten zufolge sollen in der Nacht immer wieder Schüsse und Explosionen zu hören gewesen sein. Die Identität der getöteten und festgenommenen mutmaßlichen Terroristen ist nach seinen Angaben noch nicht geklärt.

In der französischen Hauptstadt waren am Freitagabend bei einer Anschlagserie 129 Menschen getötet worden. Seitdem gibt es umfassende Aktionen und Durchsuchungen der Polizei im ganzen Land. In Saint-Denis steht das Stade de France. Die Terroristen hatten auch dort ein Blutbad anrichten wollen, als die deutsche Nationalmannschaft gegen Frankreich spielte. Die Extremisten gelangten aber nicht ins Stadion.