Skurriles Hobby in Paris: Sogar eine Granate hatte er schon am Haken

Dieser Zehnjährige angelt tonnenweise Schrott aus der Seine

Raphaël sammelt Müll aus der Seine in Paris.
Raphaël sammelt Müll aus der Seine in Paris.

20. April 2021 - 11:36 Uhr

"Ich wünsche mir, dass die Menschen ein wenig mehr Verantwortung übernehmen"

Raphaël ist kein Teenager wie jeder andere. Er hat ein tolles Hobby, von dem auch viele andere Menschen etwas haben und das macht ihn zu einer kleinen Berühmtheit. Er sammelt Müll in Paris. Aus der Seine, dem Fluss, der durch Frankreichs Hauptstadt fließt. Mehr als zehn Tonnen hat er im vergangenen Jahr mit seinem Vater aus dem Wasser gefischt!

Vater Alexandre hilft seinem Sohn

Rafael
Im Netz ist der Junge als "raf_su_seine" bekannt.

Raphaëls Motivation? "Ich wünsche mir, dass die Menschen ein wenig mehr Verantwortung übernehmen", sagt er. "Dass ihnen etwas klar wird durch die Fotos von all dem Müll." Auf Instagram folgen ihm schon mehr als 20.000 Menschen, Interviewanfragen sind inzwischen Routine und in Kanada soll ein Comic über den sympathischen Öko-Helden entstehen. Seine Heimatstadt plant eine Ausstellung mit den Dingen, die Raphaël und sein Vater Alexandre aus dem Wasser holen.

Im Juli 2020 trifft der Junge den bekannten Umweltaktivisten Chris Detek.

Weihnachtswunsch: Großer Magnet zum Müll-Angeln

Angefangen hat die Begeisterung des Jungen für das Thema, als er bei Youtube ein Video des französischen Umweltaktivisten Chris Detek sah. Der angelt seit Jahren mit einem Magneten Metallschrott aus Frankreichs Flüssen. Oft begleitet von Prominenten, die bei der sauberen Sache mitmachen wollen. Das habe ihn inspiriert, erzählt Raphaël: "Ich habe die Videos sofort meinem Vater gezeigt und gesagt, dass ich auch solche großen Magneten zu Weihnachten haben will."

Auf dem Schulweg sammelte Raf den Müll von der Straße

Das Umweltbewusstsein seines Sohnes ist für Alexandre keine Überraschung. "Raf hatte schon immer ein Herz für Tiere, und auf dem Weg zur Schule wollte er immer den Müll von der Straße aufsammeln", sagt er.

Der Vater ist nicht nur einverstanden, sondern macht selbst mit. Die beiden beginnen an den Bassins de la Villette, dem größten künstlichen Gewässer von Paris. Er diente früher als Kanal für die Binnenschifffahrt, heute als Naherholungsgebiet. Sie fischen dort alles Mögliche aus dem Wasser. Durch den Erfolg dehnen sie ihr Angelrevier bald auch auf die Seine aus.

Sogar ein Motorrad hatten sie schon am Enterhaken

Häufig sind es Fahrräder, die an Raphaëls Magneten hängenbleiben. Gestohlene Drahtesel, die niemand mehr will. Oder Leihräder von einem der vielen Anbieter der französischen Metropole, ebenso wie E-Scooter.

Motorenteile waren schon dabei, Einkaufswagen, Haushaltsgegenstände – das läppert sich. Auf mehr als zehn Tonnen bis heute, wie es in Medienberichten heißt. Verkehrsschilder waren schon dabei, Mülltonnen und sogar ein Motorrad.

Hier wird ein Motorrad aus dem Wasser geborgen.

Oft helfen Spaziergänger bei schweren Teilen

In Internetvideos erzählt der aufgeweckte Bursche, der ebenso wie Vater Alexandre nur seinen Vornamen in der Öffentlichkeit erwähnt, wie sie bei ihren Touren vorgehen. "Der Magnet wird an ein Seil gehängt und am anderen Ende hängt man ihn irgendwo auf, wirft ihn ins Wasser und zieht alles hoch, was angezogen wird."

Sobald er spüre, dass etwas angezogen wird, wirft er den Enterhaken, der sich dann am Fundstück festhakt, so dass sie es herausziehen können. Bis zu 350 Kilogramm könnte sie aus dem Wasser ziehen, sagt er. Oft würden Spaziergänger helfen, die gerade vorbeikämen.

Per App wird die Stadt Paris informiert, die den Müll abholen lässt.

Besondere Fundstücke nimmt er mit nach Hause

Den gefundenen Müll melden sie mit einer App der Stadt Paris, die ihn abholen lässt. Falls Raphaël ihn nicht mit nach Hause nimmt, wo er ein kleines Museum mit besonders skurrilen Gegenständen hat. Boulekugeln, sind darunter, auch ein Gewehr, das fast 150 Jahre alt ist.

Einmal fand er sogar eine Weltkriegsgranate, um die hätten sich allerdings Fachleute gekümmert, so Vater Alexandre. Der achtet sehr darauf, dass sein Sohn die Finger von unbekannten Gegenständen lässt und ihn ruft, sobald er nicht sicher ist, dass es sich um etwas Ungefährliches handelt.

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