Paralympics-Star Pistorius vorerst frei: Gericht stimmt Kautionsantrag zu

15. April 2014 - 18:09 Uhr

Prozess auf den 4. Juni vertagt

Der wegen vorsätzlichen Mordes angeklagte Paralympics-Star Oscar Pistorius ist vorerst wieder in Freiheit. Das Magistratsgericht der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria ließ den Antrag des 26-Jährigen auf Freilassung auf Kaution zu. Als Auflage muss Pistorius umgerechnet 85.500 Euro in Bargeld oder Bürgschaften hinterlegen. Zudem muss er seine Pässe abgeben und sich zwei Mal wöchentlich bei der Polizei melden. Der Prozess wurde vertagt, Pistorius muss am 4. Juni wieder vor Gericht erscheinen.

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Oscar Pistorius ist vorerst frei. Links im Bild seine Schwester Aimee.
© dpa, Tj Lemon

Die Anwälte des Südafrikaners hatten zum Ende einer viertägigen Verhandlungsrunde argumentiert, es bestehe keine Fluchtgefahr, weil ihr Mandant ein weltweit bekannter Sportler sei und überall erkannt werde. "Wie kann sich ein Mann davonstehlen, der wegen seiner beiden Beinprothesen an jeder Flughafensicherheitskontrolle auffällt?", so Pistorius' Verteidiger Barry Roux.

Pistorius selbst hatte stets beteuert, seine Freundin Reeva Steenkamp für einen Einbrecher gehalten und aus Versehen getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht von vorsätzlichem Mord aus.

Richter sieht keine Fluchtgefahr und verfügt Auflagen für Pistorius

In seiner Urteilsbegründung erklärte der vorsitzende Richter Desmond Rair, er sehe keine Fluchtgefahr bei Pistorius. Auch die öffentliche Empörung würde sich nach seiner Einschätzung in Grenzen halten. Dass der Behindertensportler einen Hang zur Gewalt habe, sei durch die Ausführungen des Chefermittlers Hilton Botha nicht bewiesen worden. Der Richter kritisierte die eklatanten Fehler, die der degradierte Botha bei seinen Ermittlungen gemacht habe.

Zu diesem Zeitpunkt gebe es wenig Überzeugendes, was die Anklage belegen würde. Das könne sich bis zum Prozessbeginn allerdings noch ändern. Die Ergebnisse der Gerichtsmedizin und weitere Ermittlungen würden für Klarheit sorgen.

Pistorius muss nach dem Willen Rairs bestimmte Auflagen erfüllen. Vor allem darf er das Land nicht verlassen, muss seine beiden Pässe abgeben und sich vom Flughafen fernhalten. Er müsse in Pretoria bleiben, stets für die Ermittlungsbehörden erreichbar sein, keinen Kontakt zu Zeugen des Verfahrens, zu Nachbarn und anderen Bewohnern seiner Wohnanlage in Pretoria haben. Zudem verfügte der Richter ein Alkoholverbot.