40-Jährige litt an fortschreitender Lähmung

Paralympics-Siegerin Marieke Vervoort beendet ihr Leben - mit Sterbehilfe

23. Oktober 2019 - 17:50 Uhr

Die Sportwelt trauert um eine Kämpferin: Die belgische Paralympics-Siegerin Marieke Vervoort ist tot. Die 40-Jährige hat ihr Leben selbstbestimmt durch Sterbehilfe beendet. "Bis zu ihrer letzten Minute führte sie Regie über ihr Leben", sagte ihr Arzt Wim Distelmans der belgischen Tageszeitung "De Standaard". Vervoot starb so, wie sie es sich gewünscht hat: mit einem Glas Sekt in der Hand.

Gesundheitszustand verschlechterte sich über die Jahre

Die Belgierin litt an fortschreitender Lähmung, war seit ihrem 14. Lebensjahr querschnittsgelähmt und kämpfte immer wieder mit Krampfanfällen. Von ihrer Krankheit ließ sie sich aber trotzdem nicht aufhalten: 2006 und 2007 wurde sie Weltmeisterin im Paratriathlon, gewann sogar den Iron Man auf Hawaii. Ihr wohl größter sportlicher Erfolg dann 2012: Bei den Olympischen Spielen in London gewann sie als Handbikerin Gold über 100 Meter, über die 200-Meter-Strecke holte sie Silber.

Vervoort machte nie ein Geheimnis daraus, ihr Leben selbstbestimmt beenden zu wollen, wenn sich ihr Gesundheitszustand weiter verschlechtern sollte. Bereits 2015 erklärte sie in einer TV-Sendung, darüber nachzudenken, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Doch die Sportlerin kämpfte sich noch einmal zurück, nahm 2016 an den Olympischen Spielen in Rio teil - und belohnte sich noch einmal mit Silber und Bronze.

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Thanks Koen Wauters for your nice visit in the hospital!

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Belgierin erfüllte sich vor dem Tod ihre letzten Wünsche

Gesundheitlich ging es ihr nach den Spielen in Rio aber immer schlechter, Vervoort zog sich aus der Öffentlichkeit weitesgehend zurück - in den sozialen Netzwerken hielt sie ihre Fans aber weiter auf dem Laufenden. Vor ihrem Tod erfüllte sie sich noch ihre letzten Wünsche: Sie probierte Bungeejumpen aus, besuchte die Rennstrecke von Zolder - und schrieb für ihre Familie und Freunde Abschiedsbriefe.

Ihren letzten Wunsch sollen ihr jetzt ihre Angehörigen erfüllen: Vervoort soll sich gewünscht haben, dass ihre Asche ins Meer vor Lanzarote gestreut wird. Dort hatte sie seit 2008 immer Weihnachten gefeiert.

Aktive Sterbehilfe ist in Belgien erlaubt

In Belgien ist aktive Sterbehilfe, anders als in Deutschland, seit 2002 erlaubt. Das belgische Sterbehilfe-Gesetz ermöglicht es unheilbar kranken Menschen, ihr Leben mit Hilfe von Ärzten selbstbestimmt zu beenden - wenn ein Mediziner ein unerträgliches Leid bescheinigt.