Katholische Kirche

Papst führt Meldepflicht für sexuellen Missbrauch ein

09. Mai 2019 - 17:35 Uhr

Kirchenleute müssen Fälle demnächst intern melden

Bisher war es dem persönlichen Gewissen überlassen, ob sexuelle Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche gemeldet wurden oder nicht. Das will der Papst nun ändern und führt ab dem 1. Juni 2019 eine Meldepflicht ein. Kleriker und Ordensleute müssen dann innerhalb der Kirche melden, wenn sie auf Missbrauchsfälle aufmerksam werden. Das bedeutet aber nicht, dass die Fälle dann automatisch auch an staatliche Stellen gemeldet werden. Im Video erklärt RTL-Korrespondent Udo Gümpel, an wen die Informationen weitergegeben werden sollen.

Papst reagiert auf massive Kritik

Mit dem Gesetz will der Papst anscheinend auf die Kritik reagieren, dass er nicht genug gegen sexuellen Missbrauch tue. Neben der Meldepflicht innerhalb der Kirche will der Papst außerdem alle Diözesen verpflichten, bis Juni 2020 "ein oder mehrere dauerhafte und der Öffentlichkeit leicht zugängliche" Anlaufstellen für Anzeigen einzurichten.

Die katholische Kirche steckt seit Jahren wegen Missbrauchsskandalen in vielen Ländern der Welt - auch in Deutschland - in einer ihrer schwersten Krisen. Während der Amtszeit von Franziskus' Vorgänger Papst Benedikt XVI. kam ans Licht, dass sich massenhaft Geistliche an Kindern vergangen hatten und von Oberen gedeckt wurden. Das will Papst Franziskus mit seiner Meldepflicht nun verhindern.

Eine Pflicht, die Fälle anzuzeigen, gibt es aber nicht

Franziskus stand stark unter Druck, seinen Worten von einer "Null Toleranz"-Politik auch Taten folgen zu lassen. Er hatte bisher nur für den kleinen Vatikanstaat - in dem kaum Kinder leben - entsprechende Regeln aufgestellt. Nun erteilte er Anweisungen für die gesamte Kirche. Allerdings ist bisher nicht vorgesehen, die Kirchenleute auch zu verpflichten, Missbrauchsfälle auch bei der Polizei anzuzeigen.