2018 M09 19 - 19:29 Uhr

Katholische Kirche und leidenschaftlicher Sex - wie geht das zusammen?

Die katholische Kirche und Sex – in den letzten Jahren traten diese beiden Themen nur in einem schrecklichen Zusammenhang auf: Die vielen Missbrauchsfälle innerhalb der Kirche gelangten an die Öffentlichkeit. Beim Thema Sex zwischen Erwachsenen zeigt sich die Kirche seit jeher rückschrittlich. Verhütungsmethoden wie Kondome und die Pille werden abgelehnt, Homosexualität zur Sünde erklärt. Jetzt überrascht der Papst mit einer Aussage zu dem Thema: Sex sei eine himmlische Gabe.

Sex dient für die Katholische Kirche vor allem einem Zweck: Kinder zeugen

"Die Sexualität, der Sex, ist ein Geschenk Gottes. Kein Tabu.", sagte er bei einer Audienz mit französischen Jugendlichen. So überraschend diese Aussage im ersten Moment auch klingen mag: Der Pontifex ließ es sich nicht nehmen, dieses Statement an einige Bedingungen zu knüpfen. So machte er deutlich, dass der Sex neben der Liebe vor allem einem Zweck diene: der Fortpflanzung. "Es gibt zwei Ziele: sich zu lieben und Leben zu schaffen.", sagte er. Sex ist also kein Tabu in der Katholischen Kirche – allerdings gilt das nur für manche: Verheiratete Paare, die aus Mann und Frau bestehen.

Der Papst schließt mit seinen Worten homosexuelle Liebe aus

Andere Lebens- und Liebesformen werden in den Worten des Papstes direkt ausgeklammert – denn zwischen Frau und Frau oder Mann und Mann kann auf natürlichem Wege kein Kind entstehen. Für den 81-jährigen Papst ist damit klar, welche Liebe die EINE, gottgegebene ist. Nämlich die zwischen Mann und Frau. Diese Liebe bringe einen dazu, "für immer Leben zu schenken."

Dass gleichgeschlechtliche Paare für ihn keine Familien sind, machte der Papst erst kürzlich klar. Außerdem schockierte er mit der Aussage, bei jüngeren Kindern mit homosexuellen Neigungen ließe sich "noch vieles machen, mit der Psychiatrie etwa, um zu sehen, wie die Dinge sich verhalten". Auch wenn der Vatikan später versuchte, diese Worte zu relativieren: Sogenannte "Konversionstherapien", auf die der Papst sich bezieht, schaden einer Person nachhaltig. Trotzdem sind sie auch in Deutschland nach wie vor erlaubt.

Die katholische Kirche hat noch einen langen Weg vor sich

Vielen galt Papst Franziskus mit seiner ruhigen Art und seinen minimalistischen Ansprüchen lange als Revoluzzer in der katholischen Kirche. Das mag innerhalb des Vatikans auch stimmen – trotzdem scheint es in manchen Dingen noch ein weiter Weg, bis die katholische Kirche auf der Höhe der Zeit angekommen ist.