Panne beim RKI: Corona-Impfstoff doch nicht im Herbst möglich

Robert-Koch-Institut veröffentlicht aus Versehen veraltete Infos

Das RKI und Präsident Lothar Wieler halten einen Corona-Impfstoff schon früher für möglich als ursprünglich gedacht
© dpa, Jörg Carstensen, car pil

12. August 2020 - 19:25 Uhr

Veraltetes RKI-Strategiepapier online gestellt

Anfang Juli hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) noch erklärt, dass es in Deutschland frühestens 2021 einen Impfstoff gegen das Coronavirus geben werde. Jetzt schienen die Experten ihre Meinung geändert zu haben: Sie veröffentlichten ein Strategiepapier, in dem sie den Einsatz des Mittels schon im Herbst für möglich halten. Doch das Dokument ist veraltet.

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RKI warnt: Corona-Pandemie trotz Impfung nicht sofort beherrschbar

"Vorläufige Prognosen lassen die Verfügbarkeit eines Impfstoffs (gegebenenfalls mehrerer) bis Herbst 2020 möglich erscheinen", hieß es in der Publikation mit dem Titel "Die Pandemie in Deutschland in den nächsten Monaten". Doch dabei handelte es sich um ein Versehen: Es wurde eine ältere Version des RKI-Strategiepapiers online gestellt, die inzwischen mehrfach überarbeitet wurde. Im Gegensatz zu dieser veralteten Version rechnet das RKI zum aktuellen Zeitpunkt also nicht damit, dass ein Impfstoff bereits im Herbst 2020 zur Verfügung stehen wird.

Unabhängig davon warnt das Institut allerdings davor, zu erwarten, dass die Corona-Pandemie ab dem Einsatz eines Impfstoffs sofort beherrschbar sei: Kurze Immunitätszeiten sowie Mutationen des Virus könnten den Impf-Nutzen relativieren.

Russland hatte am Dienstag mit der Zulassung eines Impfstoffes für Aufsehen, aber auch Kritik gesorgt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte, nach allem was man wisse, sei der Stoff nicht hinreichend erprobt. Es gehe nicht darum, erster zu sein, sondern eine wirksamen und sicheren Impfstoff zu haben. Auch das Paul-Ehrlich-Institut bemängelte mangelnde Transparenz und fehlende Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten bei dem "Sputnik V" getauften Wirkstoff.

Aufmerksamkeit und Energie der Bevölkerung geschwunden

Für den Schutz vor Corona setzt das RKI weiter den Schwerpunkt auf die Abstands- und Hygieneregeln sowie auf eine verbesserte Nachverfolgung von Infektionen. Es könne zwar insgesamt eine positive Zwischenbilanz für den Umgang mit der Pandemie in Deutschland gezogen werden. Aber: "Es besteht die berechtigte Sorge, dass aufgrund der scheinbaren Ruhe der vergangenen Wochen die notwendige Aufmerksamkeit und Energie geschwunden ist."

Gleichzeitig wachse die Gefahr neuer Ausbrüche und möglicherweise einer zweiten Welle. "Deshalb müssen jetzt die richtigen Impulse und Ziele gesetzt werden, um dem entgegenzutreten", heißt es in der online veröffentlichten Publikation, die die Strategie bis April 2021 skizziert. Hygiene und Abstandsregeln müssten zu einem "Stück gelebte Normalität" werden. Die Gesundheitsämter müssten zudem weiter gestärkt werden.

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Quelle: Reuters/dpa/RTL.de

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