Panik in der Wildschwein-Falle? Jäger testet Fanganlagen

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26. September 2019 - 6:30 Uhr

Im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest rüstet Niedersachsen auf. Ein Berufsjäger testet derzeit unterschiedliche Fallentypen, mit denen Wildschweine gefangen werden sollen. Das soll dazu beitragen, die enormen Bestände an Schwarzwild zu verringern. Die Fallenjagd auf diese Tiere ist nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums zwar keine übliche Jagdmethode. Sie sei aber effektiv, um Frischlinge oder auch ganze Rotten Schwarzwild zu fangen und zu erlegen, sagte eine Sprecherin in Hannover. Jäger kritisieren allerdings die Wildschweinjagd mit großen Saufängen. "Das ist tierschutzrechtlich und moralisch bedenklich", sagte Christian Voigt von der Kreisjägerschaft Lüneburg.

"Wenn sich Menschen der Falle nähern, bedeutet das Stress für die Tiere. Und wenn der erste Schuss fällt, können die anderen Tiere in Panik geraten", sagte Voigt. Er setzt statt auf Saufänge lieber auf konventionelle Jagdmethoden wie Drückjagden und Einzelansitze. Die Landesjägerschaft hält sich noch mit einer abschließenden Bewertung zu Großfallen zurück und will zunächst die Testergebnisse abwarten.

Bei den Niedersächsischen Landesforsten testet ein Berufsjäger verschiedene Fallentypen an wechselnden Standorten und Einsatzzeitpunkten. Das Projekt sei noch in einer frühen Phase, sagte ein Sprecher der Landesforsten in Braunschweig. Die Erkenntnisse sollten nach einer Bewertung für die Jägerschaft zugänglich werden.

Der Deutsche Jagdverband verweist auf eine Studie, wonach der Lebendfang von Wildschweinen eine störungsarme Jagdart ist, die sich gerade bei schwierigen Revierverhältnissen anbietet. Nötig seien aber spezielle Sachkenntnisse und eine intensive Betreuung der Fanganlagen, heißt es in der Untersuchung des Thünen-Instituts für Waldökosysteme in Eberswalde.

Das Landwirtschaftsministerium beruft sich auf positive Erfahrungen in anderen Bundes- und Nachbarländern bei der Fangjagd. Fallen könnten besonders in städtischen Randlagen eingesetzt werden, wo das Abschießen des Schwarzwildes zu gefährlich sei. Bei einem Ausbruch der Schweinepest sollte die verhältnismäßig ruhige Jagdmethode mit Fallen verstärkt genutzt werden, um die Infektionskette zu unterbrechen.

Die Afrikanische Schweinepest wurde von Afrika nach Europa eingeschleppt und ist bereits bei Wildschweinen und Hausschweinen in Polen sowie in Ungarn, der Slowakei und Belgien aufgetreten. Bei infizierten Tieren führt sie nach kurzem, fieberhaftem Krankheitsverlauf zum Tod. Impfstoffe gibt es nicht. Für Menschen ist die Tierseuche dagegen ungefährlich.

Quelle: DPA