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Bekommt mein Kind einen Kitaplatz?

Panik bei vielen Eltern: Rückstau in den Kitas durch mehr Schulrücksteller befürchtet

Lassen Eltern ihre Kinder wegen Corona länger in der Kita?
Lassen Eltern ihre Kinder wegen Corona länger in der Kita?
© deutsche presse agentur

26. März 2021 - 12:25 Uhr

Eltern wollen Schulstart verschieben

Bekommt mein Kind einen der knappen Kitaplätze? Diese Frage entscheidet sich für viele Eltern normalerweise im Frühjahr, und im besten Fall unterschreiben sie in diesen Wochen ihre Verträge mit den Kitas. Doch die Corona-Pandemie sorgt für noch mehr Unsicherheit als ohnehin schon. Eltern und Träger berichten von einem zusätzlichen Problem: Mehr Eltern von Vorschulkindern wollen den Schulstart verschieben, die Kitaplätze werden noch knapper.

„Rückwärtslawine“ bei Kita-Kindern möglich

"Es ist auffallend, dass mehr Eltern ihr Kind nicht in die Schule schicken wollen. Das führt zu einem Rückstau und zu einem handfesten Problem", sagt etwa der Geschäftsführer der BOOT Kitas Berlin, Wolfgang Freier. Noch könne er keine verlässlichen Zahlen nennen, aber: "Normalerweise stellen bei uns ein bis zwei Prozent der Eltern ihre Kinder zurück. In diesem Jahr könnten es etwa bis zu zehn Prozent werden", schätzt er.

Die Kita-Fachreferentin Dorothee Thielen vom Paritätischen Wohlfahrtsverband spricht von einer möglichen "Rückwärtslawine", wenn mehr Kinder in der Kita bleiben und weniger mit der Schule beginnen. Es ließe sich aber noch nicht sagen, wie groß das Problem tatsächlich sei. "Eltern können in der Regel bis Ende Januar einen Antrag auf Schulrückstellung stellen. Bis Ende März finden dann in der Regel die ärztlichen Untersuchungen bei den Kinder- und Jugendgesundheitsdiensten statt. Und erst danach erfolgt eine Bereinigung der Daten", erklärt Thielen.

Auch der Senatsverwaltung für Bildung ist das Thema bekannt. Nach Auskunft der Spitzenverbände der Liga der freien Wohlfahrtspflege sowie des Dachverbandes der Berliner Kinder- und Schülerläden bemühten sich mehrere Eltern um eine Zurückstellung ihres Kindes vom Schulbesuch, berichtet Verwaltungssprecher Ralph Kotsch. Auch er verweist auf die unklare Datenlage: "Die Entwicklung bis zum Sommer bleibt abzuwarten".

Laut Dorothee Thielen gab es bereits im vergangenen Jahr eine leichte Tendenz nach oben: "Die Quote der Schulrückstellungen hatte sich in Berlin schon zum Schuljahr 2021 von 11,7 auf 12,8 Prozent erhöht".

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Eine Rückstellung des Kindes ist nur sinnvoll, wenn es Entwicklungsrückstände gibt

Zum Teil seien die Eltern sehr verunsichert, wie der Schulbeginn unter den jetzigen Bedingungen ablaufe. "Eine Rückstellung ist sinnvoll, wenn es Entwicklungsrückstände gibt. Aber anderen Kindern tut man damit keinen Gefallen", ist BOOT-Geschäftsführer Freier überzeugt.

"Während manche Kinder in den letzten Wochen auch zuhause große Entwicklungsschritte tun konnten, zeigen anderen deutliche Defizite in ihrer Entwicklung, sodass eine Rückstellung vom Schulbesuch angezeigt sein könnte", berichtet Michaela Liebezeit von den Kindergärten City. Einzelne Kitas des Trägers hätten berichtet, dass es etwas mehr Rücksteller sein könnten als in den Vorjahren.

"Es gibt Eltern, die Bedenken und Sorgen haben, ob der Übergang in die Schule gut funktioniert", sagt auch die Vorsitzende des Landeselternausschusses Kita (LEAK), Nancy Schulze. Schließlich funktioniere der Unterricht derzeit in einigen Schulen gut, in anderen weniger gut. "Andererseits: Wohin mit den neuen Kindern, wenn es viele Schulrücksteller gibt? Das sind unsere Bedenken. Man kann die neuen Kinder ja schlecht im Keller oder in der Küche aufbewahren. Es gab schon immer Platzmangel in Berliner Kitas", so Schulze.

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Mehr Kita-Plätze sind notwendig

"Wenn man sich das Kitasystem wie ein Gummiband vorstellt, muss man sagen, dass dieses Gummiband im Moment nicht in der Lage ist, auf solche Situationen angemessen zu reagieren. Es ist einfach zu klein und zu eng. Wir brauchen mehr Plätze", fordert auch Thielen. Die Senatsverwaltung schätze, dass bis 2025 weitere 23.000 Plätze gebraucht werden. Davon sei aber nur für 15.000 die Finanzierung geklärt. Sie zweifle daran, dass selbst diese Plätz pünktlich geschaffen werden können, so Thielen.

"Grundsätzlich verweisen wir darauf, dass der Kitaplatzausbau mit Landes- und Bundesprogrammen weiter vorangetrieben wird, um allen Kindern auch perspektivisch ein Betreuungsangebot unterbreiten zu können", beton Verwaltungssprecher Kotsch. Die Planung für die Kitas 2020/2021 bis 2025/2026 berücksichtige ohnehin einen Anteil zurückgestellter Kinder von rund elf Prozent, so Kotsch.

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Eltern befürchten durch Pandemie Entwicklungsverzögerungen ihrer Kinder

Andere Träger wiederum, wie etwa der Berliner Eigenbetrieb Kindertagesstätten Südost, berichten, dass sie keinen spürbaren Anstieg der Rückstellungswünsche verzeichnen. "Wir konnten aber feststellen, dass viele Eltern sich Sorgen machen, ihre Kinder würden durch die Pandemie und die fehlende Anwesenheit in der Kita, Entwicklungsverzögerungen erfahren", sagt Regionalleiter Ole Rasmus.

"In den meisten Fällen ist diese Sorge aber unbegründet und es konnten Wege gefunden werden, durch Kleingruppenarbeit die Kinder intensiver zu begleiten und die Vorbereitung auf den Schuleintritt weiterzuführen", so Rasmus.

Auch in den Kitas der AWO Berlin deute sich bislang an, dass es keine Rückstellungen im hohen Maße geben werde, berichtet Sprecher Markus Galle. Das Thema werde sich auf Einzelfälle beschränken. "Da wir jedoch in einer hoch dynamischen Zeit leben, ist auch diese Tendenz mit Vorsicht zu genießen", so Galle.

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Quelle: DPA, RTL.de

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