Pandemie-Zoff um Mediziner

Arzt empfiehlt absichtliche Infektion mit Coronavirus

Ein Arzt aus Österreich hat seinen Bekannten geraten, ihr Kind mit Corona zu infizieren. (Symbolbild)
© dpa, Rolf Vennenbernd, ve jhe fux fie fdt

10. September 2020 - 14:15 Uhr

Arzt berichtet bei Facebook über Corona-Empfehlung

Dieser Fall macht fassungslos: Ein Arzt aus Österreich hat seinen Bekannten – beide Corona-Patienten – geraten, ihr Kind absichtlich mit der Krankheit zu infizieren. Er selbst machte den Fall bei Facebook öffentlich. Dazu schrieb er außerdem eine Liste mit Verhaltensregeln für eine absichtliche Infektion. Die österreichische Plattform "Heute.at" hatte zuerst darüber berichtet.

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"[..] Kind wenige Tage später auch infiziert"

"In meinem Bekanntenkreis musste ein Elternteil mit Kind in Quarantäne, Elternteil infiziert, Kind nicht infiziert", schreibt der Mediziner bei Facebook. Während die Behörden dem Paar geraten hätten, sich von dem Kind fernzuhalten, habe er genau das Gegenteil empfohlen. Er habe seinen Bekannten geraten, einen engen Kontakt zu dem Spross zu pflegen und ihn anzustecken. "Die beiden haben gegen die Behörden entschieden und meinen Rat befolgt, Kind wenige Tage später auch infiziert", heißt es in dem Beitrag.

Coronavirus
Der österreichische Mediziner empfiehlt eine Infektion mit dem Coronavirus.
© dpa

Mediziner aus Österreich würde sich auch absichtlich infizieren

Inzwischen sollen sowohl der Mann als auch die Frau die Infektion überstanden haben. So zumindest heißt es in dem Post. Außer Symptomen eines grippalen Infekts und dem Verlust des Geruchs- und Geschmacksinns sei nichts passiert. Der Arzt: "Beide sind froh, meinen Rat befolgt zu haben. Sie können jetzt mit großer Wahrscheinlichkeit aufgrund ihrer Immunität über einen längeren Zeitraum niemanden mehr infizieren und stellen daher für Risikogruppen wie z.B. ältere Verwandte keine Gefahr mehr dar."

Der Mediziner werde sich, sollte jemand in seiner Familie an Covid-19 erkrankt sein, genauso verhalten, beteuert er. Alle würden davon profitieren, wenn immunisierte Menschen das Virus ausbremsen würden.

Sechs Regeln zur Selbstinfektion und Hass-Kommentare

Um sein Facebook-Pamphlet abzurunden, listet der Mann sechs Punkte auf, die zu beachten sind, wenn man sich absichtlich infizieren möchte. In einem Punkt weist er auf die Gefahren hin: "Man muss sich der Tatsache bewusst sein, dass Covid-19 gleich oder etwas gefährlicher ist als Influenza, also nicht völlig harmlos, es gibt ein Restrisiko, wer das nicht zu tragen bereit ist, sollte die Finger davon lassen."

Viele Facebook-Nutzer machen ihrem Ärger in den Kommentare unter dem Beitrag Luft. "Wie übernimmt man eigentlich 'selbst' die Verantwortung für einen schweren Krankheitsverlauf? Intubiert man sich dann selbst und sorgt man selbst für die intensivmedizinische Betreuung, wenn man im Koma liegt, oder wie darf ich mir das vorstellen?", schreibt ein Nutzer. Ein anderer will wissen: "Soso, du empfiehlst also jemandem, sich mit einer Krankheit zu infizieren, über deren Folgeschäden man kaum was weiß?"

Mittlerweile seien mehrere Anzeigen bei der Ärztekammer Vorarlberg eingegangen, berichtete "Heute.at". Ein Sprecher habe am Mittwoch bestätigt: "Ja, der Fall ist uns bekannt und eine Prüfung ist im Laufen."