Pakistan: Mordanklage gegen Baby Muhammad Musa Khan abgewiesen

12. April 2014 - 20:35 Uhr

Kleinkind soll Polizisten gesteinigt haben

Aufatmen vor Gericht im pakistanischen Lahore: Der Richter hat eine Mordanklage gegen den neun Monate alten Muhammad Musa Khan abgewiesen. Das Baby wurde beschuldigt, Polizisten bei einer Razzia gesteinigt zu haben.

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Die Mordanklage gegen Baby Muhammad Musa Khan wurde fallen gelassen.
© REUTERS, MOHSIN RAZA

Der Fall machte Schlagzeilen, als der kleine Junge in der vergangenen Woche erstmals vor Gericht erscheinen musste. Fernsehbilder zeigten ihn weinend in den Armen seiner Familie, während ein Gerichtsmitarbeiter seine Fingerabdrücke nahm. Nun hatte der Richter endlich ein Einsehen und beendete das absurde Theater vor Gericht, nachdem die Polizei ihre Anschuldigungen gegen das Baby zurückgezogen hatte.

Hintergrund der Anklage war ein Vorfall in der Stadt Lahore, nahe der indischen Grenze. Im Februar hatten dort aufgebrachte Einwohner eines Slums mehrere Polizisten mit Steinen angegriffen, die ihnen wegen unbezahlter Rechnungen den Strom abdrehen wollten. Etwa 30 Männer, darunter der Vater des Jungen, wurden damals festgenommen.

"Ein Fall von schwerer Nachlässigkeit“

Verteidiger Irfan Tarar zufolge wurde der kleine Muhammad Musa ohne vorherige Prüfung seines Alters angezeigt. Die Anklage sei ein Fehler gewesen, betonte ein Sprecher der Polizei. Ein Ermittler sei wegen der Ereignisse bereits vom Dienst suspendiert worden.

Pakistans Justizsystem gilt als antiquiert und kompliziert. Das Gesetz verbiete überdies die Strafverfolgung von Kindern unter sieben Jahren, sagte der Anwalt Rizwan Khan. "Es war vielleicht keine böse Absicht, aber ein Fall von schwerer Nachlässigkeit."