Insider berichten von krassen Zuständen

Paketzustellung während Corona-Pandemie: Droht DHL der Kollaps?

28. April 2020 - 12:01 Uhr

Menschen bestellen so viel online wie sonst nur zu Weihnachten

In Zeiten der Corona-Pandemie wird vieles, was sonst in den Läden gekauft wird, über das Internet bestellt. Dies führt bei den Paketdiensten zu einem Aufkommen wie sonst an Weihnachten. Angeblich stapeln sich eine Million Pakete in den Lagern, die Zusteller sind an der Grenze ihrer Belastbarkeit angelangt. Auch unsere Reporterin wartet seit über zwei Wochen auf ein Paket. Auf ihre Anfrage beim Online-Shop hat sie folgende Antwort erhalten: "Leider ist DHL komplett überlastet und hat einen Kollaps angemeldet. Dies ist das erste Mal in der Geschichte von DHL der Fall, was zeigt, was dort los ist." Dies hat sie dazu veranlasst, einmal nachzuhaken, wie groß die Probleme beim Paketdienst DHL tatsächlich sind. Was sie herausfand, sehen Sie im Video.

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Rund 9 Millionen Sendungen pro Tag

Fünf Wochen lang waren die Läden in Folge der Corona-Pandemie in Deutschland geschlossen, und auch jetzt trauen sich viele Menschen aufgrund der Ansteckungsgefahr nicht in die Geschäfte. Da viele dennoch nicht auf neue Kleidung, Spiele, Bücher und Co. verzichten wollen, wird all dies meist kurzerhand über den Online-Handel bestellt.

Die Folge: Allein DHL verzeichnet eigenen Angaben zufolge derzeit einen deutlichen Anstieg der Paketmengen auf rund 9 Millionen Sendungen pro Tag. Es liege derzeit weit über dem Jahresdurchschnitt von 5,2 Millionen Paketen pro Zustelltag. Und das sei ein Aufkommen wie in der Vorweihnachtszeit – "nur, dass es in dieser Form so nicht absehbar war und wir keine Zeit hatten, die sonst üblichen, umfassenden Vorbereitungen zu treffen", so DHL.

Kapazitätsengpässe, aber kein Kollaps

Auf die Frage, ob es derzeit Probleme bei der Zustellung gibt, räumt DHL Kapazitätsengpässen in einigen Bereichen ein. Dennoch würde die Zustellung weitestgehend pünktlich erfolgen: "Trotz lokaler Verzögerungen und enormer Sendungsmengen erreichen derzeit immer noch etwa drei von vier DHL-Paketen ihren Empfänger bereits am nächsten Werktag - normalerweise sind dies mindestens vier von fünf Paketen."

Einen wie von dem Onlineshop beschriebenen Kollaps mit über einer Million eingelagerten Paketen gebe es demnach nicht: "Die Schilderungen des Online-Shops können wir nicht bestätigen", erklärt das Unternehmen. Dass gegenüber unserer Reporterin Unmut über die Leistung von DHL geäußert wurde, bedauere man. "Wir selbst – allen voran unsere Zusteller auf Tour – machen derzeit andere Erfahrungen: Es gibt viel Zuspruch und viel Verständnis aufgrund der Pandemie-Situation", so das Statement.

DHL-Bote klagt über Belastung

Einer dieser Zusteller beurteilt die aktuelle Situation so: "Für uns ist es so wie jedes Jahr Weihnachten, also Sendungsmengen. Aber wir haben weniger Leute." Folglich müssten die Mitarbeiter "im Moment sämtliche freien Tage opfern, nur um zu arbeiten". "Wir wissen, dass die Sendungsmengen über Nacht nicht mehr bearbeitbar sind", so der DHL-Bote. Ob man dabei schon von einem Kollaps sprechen muss, könne er nicht einschätzen: "Dass irgendwo Sendungen schon gelagert werden, ist mir neu".

Mehr Mitarbeiter sollen gewohnten Service und Lieferzeiten gewährleisten

Um die enorme Belastung der Mitarbeiter zu reduzieren, geht DHL eigenen Angaben zufolge folgendermaßen vor: "Wir haben im personellen Bereich die Kapazitäten sehr kurzfristig deutlich erweitert: Zum einen haben wir in den vergangenen Tagen bundesweit in unseren Niederlassungen 2.000 neue Kräfte vor allem für unseren Paketbereich eingestellt. Zum anderen setzen wir im Paketbereich auch vermehrt Kollegen aus anderen Bereichen unseres Unternehmens, wie dem Brief- oder Landfrachtgeschäft, ein. Wie auch im Vorweihnachtsgeschäft üblich, unterstützen zudem vorübergehend und auf freiwilliger Basis auch Mitarbeiter aus dem Verwaltungsbereich in der Paketbearbeitung."

DHL bittet um Verständnis

Auf ihrer Internetseitseite informiert die DHL ihre Privatkunden folgendermaßen über mögliche Engpässe infolge der Corona-Epidemie: "Aufgrund der anhaltend sehr hohen Paketmenge und der nach wie vor hohen Sicherheitsvorkehrungen kommt es leider aktuell zu Kapazitätsengpässen in einigen Bereichen unseres Paketnetzwerks in Deutschland. Dies führt auch zu Verzögerungen bei der Abholung von Paketen bei unseren Geschäftskunden (z.B. Onlineshops) sowie bei der Auslieferung. Wir bitten in diesen Fällen um Ihre Geduld und Ihr Verständnis. … Als Deutsche Post DHL werden wir auch weiterhin alles daransetzen, eine flächendeckende Beförderung und Zustellung von Briefen und Paketen sicherzustellen und wollen gleichzeitig dazu beitragen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen."

Was derzeit bei der Paketannahme in Deutschland noch gilt, erfahren Sie hier.

TVNOW-Doku Folge 3: Was wir aus der Krise lernen

In der dritten Folge der TVNOW-Doku zum Coronavirus geht es um die Frage: Welche Lehren können wir aus der bisher größten Krise der Nachkriegszeit ziehen? Wir haben mit Experten gesprochen. War der Staat zu inkonsequent? Wurden die Schulen zu schnell geschlossen? Was tun gegen das Hamsterchaos? Und was ist der tatsächliche Grund, dass tausende Urlauber auf der ganzen Welt gestrandet sind?

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