Projekt "PaketFuxx" startet in mehreren Städten

Gibt's bald Geld für Nachbarn, die Pakete annehmen?

Hermes vergütet Nachbarschaftszustellung in Großstädten.
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13. März 2020 - 9:31 Uhr

Belohnung für hilfsbereite Nachbarn

Wer kennt das nicht? Das bestellte Paket kommt genau dann an, wenn man nicht zu Hause ist. Wenn die Nachbarn es nicht annehmen, versucht es der Bote am nächsten Tag oder es landet - wenn es gut läuft - beim nächsten Paketshop. Hermes startet jetzt das Pilotprojekt "PaketFuxx" und hat angekündigt, dass in mehreren deutschen Großstädten hilfsbereite Nachbarn belohnt werden sollen, wenn sie Pakete für die Empfänger im Haus annehmen.

Nachhaltiges Pilotprojekt "PaketFuxx"

Die Paketmengen steigen, oft sind Empfänger nicht zu Hause. Um die schwierige Paketzustellung noch komfortabler zu machen, bekommen Paketfüxxe 30 Cent pro Paket - egal, welcher Zustelldienst das Päckchen liefert. Damit will Hermes die Nachbarschaftshilfe für Paketannahmen professionalisieren. Das Ziel: ein einfacher Paketempfang und die Entlastung der Verkehrssituation. Denn durch Paketfüxxe werden unnötige Anfahrten beim Endkunden verringert und CO2-Emissionen eingespart. Wie das Ganze abläuft, hat sich unsere Reporterin Caro Sedlak mal genauer angeschaut - im Video.

Hermes bezahlt auch Lieferungen der Wettbewerber

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Ab sofort bietet Hermes einen neuen Service an: 30 Cent pro Paket bekommen die sogenannten "Paketfüxxe"

"Wir haben PaketFuxx konsequent vom Kunden und seinen Bedürfnissen ausgehend entwickelt", so Dennis Kollmann von Hermes. So können Paketempfänger schon bei der Onlinebestellung einen PaketFuxx als Lieferadresse angeben - für alle Paketdienste. Paketfüxxe bekommen dabei auch Geld, wenn sie Lieferungen der Wettbewerber annehmen.

Neuer Service in Berlin, Leipzig und Dresden

ARCHIV - 18.09.2019, Berlin: Pakete liegen in einem Paketzentrum von Deutsche Post und DHL. Für die Paketbranche ist der boomende Online-Handel ein dankbarer Trend, der die Umsätze weiter wachsen lässt. Foto: Tom Weller/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Bestell-Boom beschert Paketbranche weiter steigende Umsätze
© dpa, Tom Weller, twr axs wst tba gfh

Immer mehr Menschen lassen sich Pakete liefern, doch meistens sind die Empfänger nicht zu Hause. Viele von ihnen nutzen bereits die Paketshops als alternativen Zustellort. Über 85 Prozent der geschäftlichen Auftraggeber haben die Hermes-Paketshops bereits direkt in den Bestellprozess integriert. "PaketFuxx kann sich hier zu einer sinnvollen Ergänzung entwickeln. In Nürnberg, unserer ersten Teststadt, ist die Resonanz so gut, dass wir diesen Service jetzt auf die Städte Berlin, Leipzig und Dresden ausweiten", sagte Dennis Kollmann. Zielgruppe des PaketFuxx-Piloten sind Menschen, die tagsüber regelmäßig zu Hause sind und zusätzlich ein wenig dazuverdienen möchten.

Das müssen Sie beachten, wenn Sie ein Paket für einen Nachbarn annehmen!

Wenn Sie als Nachbar ein Paket annehmen, dann gilt das grundsätzlich als Freundschaftsdienst. Aber niemand ist verpflichtet, ein Paket für einen Nachbarn anzunehmen! Wer allerdings ein Paket annimmt, hat bestimmte Pflichten.

Wenn das Paket ohne vorherige Bitte des eigentlichen Empängers angenommen wurde, hat der Ersatzempfänger den Nachbarn das Paket ohne Verzögerungen herauszugeben. Wurden Nachnahmekosten-Zahlungen geleistet, muss der Nachbar das Paket erst herausgeben, wenn der Originalempfänger die beglichen hat.

Wird das Paket beim Ersatzempfänger beschädigt oder geht gar dort verloren, haftet in der Regel das Transportunternehmen. Nur bei mutwilliger Beschädigung oder wenn der Ersatzempfänger eindeutig Schuld am Verlust eines Paketes hat, weil er die Sendung unachtsam vor der Haustür ablegt, also so, dass es gestohlen werden kann, kann er haftbar gemacht werden.

Ein Paket gilt übrigens erst dann als übergeben, wenn der tatsächliche Kunde es in seinen Händen hält. Die berühmte Benachrichtigungskarte oder die Abgabe beim Nachbarn gelten also nicht als Übergabe an den Originalempfänger. Das bedeutet, dass die gesetzliche 14-tägige Widerrufsfrist erst dann beginnt, wenn der das Paket bei einer Packstation, einer Postfiliale oder einem Nachbarn abgeholt hat.