Hunderte Kinder im Krankenhaus missbraucht

Ex-Chirurg aus Frankreich muss 15 Jahre in den Knast

Unter Narkose soll sich ein französischer Chirurg an Minderjährigen vergangen haben.
© LCI

05. Dezember 2020 - 11:11 Uhr

Vorwürfe von Mädchen aus eigener Familie

Wegen sexueller Übergriffe und Vergewaltigungen von Minderjährigen ist ein Ex-Chirurg (70) in Frankreich zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der Fall gilt als der womöglich größte Pädophilie-Skandal des Landes. Seit Montag musste sich Joël Le Scouarnec jedoch vorerst wegen Vorwürfen von vier zur Tatzeit minderjährigen Mädchen, davon zwei aus der Familie des Angeklagten, verantworten. Zusätzlich wurde der ehemalige Arzt vom Gericht in Saintes zu einer dreijährigen gerichtlich-sozialen Aufsicht nach seiner Entlassung verurteilt, wie der Sender Franceinfo berichtete.

Pädophilie-Skandal gigantischen Ausmaßes in Frankreich

Der Fall Joël Le Scouarnec hat jedoch deutlich größere Dimensionen – es geht um einen Pädophilie-Skandal gigantischen Ausmaßes, berichten mehrere französische Medien übereinstimmend. Der aktuelle Prozess vor dem Schwurgericht von Saintes dürfte daher nur eine erste Etappe darstellen. Im Oktober war im bretonischen Lorient ein neues Ermittlungsverfahren eröffnet worden. Es soll zusammen über 300 minder- und volljährige Opfer des inzwischen pensionierten Mediziners geben, wie die Tageszeitung "Le Monde" berichtete. Die Vorwürfe beziehen sich auf einen langen Zeitraum, von 1986 bis 2014. In diesem Zeitraum soll Joël Le Scouarnec Kinder in mehreren Krankenhäusern missbraucht haben, als sie allein im Krankenzimmer waren oder sediert im OP lagen.

Ex-Chirurg legte Teilgeständnisse ab

Le Scouarnec hatte nach Medienberichten während des aktuellen Prozesses Teilgeständnisse abgelegt. Dabei ging es demnach um die Übergriffe auf seine beiden Nichten, davon aber teils Fälle, die längst verjährt sind. "Es ist ein riesiger Schritt vorwärts, aber nichtsdestotrotz war alles in der Akte enthalten, so dass es schwer zu leugnen war", sagte Delphine Driguez, eine der Anwältinnen zweier mutmaßlicher Opfer, im Gespräch mit Franceinfo.

Keine Bitte um Vergebung

Gleichzeitig leugnete Le Scouarnec die Tat in einem der anderen Fälle, die im Prozess verhandelt wurden, wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete. "Ich bitte weder um Vergebung noch um Mitgefühl ... nur um das Recht, wieder ein besserer Mensch zu", zitierte die Agentur Le Scouarnec unter Berufung auf Anwälte. Auf Antrag von Nebenklägern wurde der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt.