Pädagogenpaar aus Gifhorn vor Gericht

Erzieher soll Fetisch an Mädchen in Wohngruppe ausgelebt haben

12. September 2019 - 20:24 Uhr

Taten in den Jahren 1998 bis 2007

Die Opfer waren zwischen sechs und 16 Jahren alt. Die Mädchen sollen von dem Angeklagten Johannes W. in elf Fällen sexuell missbraucht, in vier Fällen misshandelt worden sein, heißt es in der Anklageschrift. Auch seiner Frau Maike W. wird von der Staatsanwaltschaft Misshandlung in fünf Fällen vorgeworfen, vor allem, weil sie bei den Taten ihres Mannes nicht eingeschritten sein soll. Jetzt müssen sich die beiden Pädagogen vor dem Landgericht Hildesheim verantworten.

Tatort Wohngruppe

Die Opfer lebten bei dem Paar, weil sie Hilfe brauchten. Manche von ihnen hatten in der Vergangenheit Traumatisches erlebt. In der Einrichtung des Gifhorner Ehepaars wurden sie aber offenbar nicht nur betreut, sondern auch gequält. Im Video spricht der Anwalt eines der Opfer.

Erzieher lebte wohl Fetisch aus

Pädagogenpaar in Hildesheim vor Gericht
Auch die Ehefrau des Erziehers steht vor Gericht. Sie soll mitbekommen haben, was ihr Mann mit den Mädchen machte.
© dpa, Julian Stratenschulte, jst tba

Im Gerichtssaal werden beim Prozessauftakt erstmals Details der Misshandlungen öffentlich. Und diese offenbaren Schreckliches: Ein Kind soll in einen Hundekäfig gesperrt worden sein. Staatsanwältin Christina Pannek beschreibt außerdem eine weitere Tat, bei der der Angeklagte einem Mädchen zehn Windeln angezogen und diese mit Paketband befestigt haben soll: "Sie musste die Windeln bis zu einer Woche tragen, was ihr erhebliche Schmerzen zufügte und sie erniedrigte". Die Windeln soll Johannes W. sexuell erregt haben.

Ehefrau schaute zu

Der 56-jährige Angeklagte ist Erzieher, seine mitangeklagte Ehefrau Sozialpädagogin. Maike W. soll mitbekommen haben, dass ihr Mann das Mädchen quälte - doch sie tat offenbar nichts dagegen. Gemeinsam betrieb das Ehepaar rund 25 Jahre die Wohngruppe in Gifhorn, in der die Kinder Tag und Nacht verbrachten. Erst nachdem eine ehemalige Bewohnerin im Januar die Pädagogen anzeigte, wurde die Einrichtung geschlossen. Ähnliche Taten nach 2007 sind bisher nicht bekannt.

Prozess teilweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Nach ihrer Festnahme im März schwiegen die Angeklagten zunächst zu den Vorwürfen, beim Prozessauftakt sollte sich das ändern. Weil Johannes W. und Maike W. über ihre Intimsphäre berichten sollten, wurde für ihre Befragung die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Der Prozess wird sich wohl noch bis in den Dezember ziehen.