Kritischer Wert überschritten

Ozonloch erstmals über dem Nordpol

Die Ozonschicht, die Schutzschicht gegen die gefährliche UV-Strahlung wird nun auch am Nordpol dünner.
© dpa, Ulf Mauder, mod mjm gfh

27. März 2020 - 12:19 Uhr

Ozonloch auf der falschen Seite

Verkehrte Welt. Normalerweise ist das Ozonloch auf der Südhalbkugel zu finden, über der Antarktis. Wissenschaftler unterschiedlicher Institute haben jetzt das erste Ozonloch über dem Nordpol entdeckt.

„Das haben wir noch nie gesehen“

20 Millionen Quadratkilometer sind betroffen. Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen und parallel Wissenschaftler des Alfred-Wegner-Instituts in Bremerhaven stellten erstmals ein Ozonloch über der Arktis, fest. Satellitendaten haben es schon seit längerem gesehen, die Schutzschicht am Nordpol wurde dünner. "Es ist im Moment ein wirkliches Ozonloch, wie wir es über der Arktis noch nie gesehen haben", sagt der Klimaforscher Prof. Dr. Martin Dameris vom DLR.

ARCHIV - Die Satellitenaufnahme zeigt die Eisfläche am Nordpol (Archivfoto von September 2002). Der Klimawandel in der Arktis nimmt dramatische Ausmaße an: Die Herbst-Temperaturen lägen mittlerweile um fünf Grad über dem Normalwert, teilte die US-Kli
Auch hier war die Welt schon nicht mehr in Ordnung: die Arktis im Jahr 2002. Das Eis schmilzt und jetzt hat sie auch noch ein Ozonloch.
© dpa, A3500 NASA

Der Grund für das verkehrte Ozonloch: Polarwinde

Ein Grund für den Ozonabbau sind die ausgeprägten Polarwinde in diesem Winter. Die waren ungewöhnlich langanhaltend und stark. Die Luftmassen mit den niedrigen Temperaturen in der Stratosphäre, also da, wo die Ozonschicht ist, halten sich noch in der Arktis auf und befeuern die Situation.

Was ist ein Ozonloch?

In 15 bis 35 Kilometern über uns liegt die Ozonschicht, die uns vor der gefährlichen ultravioletten Strahlung der Sonne schützt. Wenn die Schutzschicht so dünn wird, dass sie den Normalwert um circa ein Drittel unterschreitet, spricht man von einem Ozonloch.

In den achtziger Jahren haben Wissenschaftler das erste Mal ein Ozonloch, bzw. das Ausdünnen der Ozonschicht entdeckt. Die Politik hat weltweit reagiert und das verantwortliche Fluorchlorkohlenwasserstoff (FCKW) fast vollständig verboten.

FRA, 2009: Eine Erdkugel wird aus dem All mit einer Spruehdose besprueht. [en] Planet Earth being symbolicly sprayed from space by a spray-can. | FRA, 2009: Planet Earth being symbolicly sprayed from space by a spray-can. |
Das Ozonloch auf der Südhalbkugel war in den 1980er Jahren DAS Klimathema. FCKW in Spraydosen wurde verboten.
© picture alliance / WILDLIFE, WILDLIFE/G.Lacz

Geht das Ozonloch wieder weg?

Den Forschern zufolge wird sich das Ozonloch über der Arktis voraussichtlich Anfang April wieder schließen.

Ozonloch am Südpol erholt sich

Am Südpol läuft alles in die richtige Richtung. Die Ozonschicht über der Antarktis erholt sich immer weiter. 2019 war das Ozonloch dort so klein wie seit 30 Jahren nicht mehr. Das könnte laut einer Forschergruppe um Antaria Banerjee von der University of Colorado (USA) einen positiven Einfluss auf den Jetstream haben. Der verlagerte sich immer weiter in Richtung Südpol - seit dem Jahr 2000 sei laut den Wissenschaftlern dieser Trend durch das sich schließende Ozonloch aufgehalten worden.

​Bis Mitte des Jahrhunderts, so prognostiziert Martin Dameris, hat sich die Ozonschicht auch in den Polarregionen wieder völlig erholt. Voraussetzung dafür ist die strenge Einhaltung der bestehenden Schutzmaßnahmen, die 1987 im "Montreal Protokoll" festgelegt wurden. Der internationale Vertrag hat das Ziel, die Produktion, den Verbrauch und damit das atmosphärische Vorkommen von Substanzen zu verringern, die die Ozonschicht schädigen.