Hammer-Erkenntnisse

Spendabel oder Geizkragen? Was das Kuschelhormon Oxytocin mit Ihnen macht

Sind Sie gerne großzügig? Das könnte auch viel mit Ihrem Oxytocin-Spiegel im Blut zu tun haben.
Sind Sie gerne großzügig? Das könnte auch viel mit Ihrem Oxytocin-Spiegel im Blut zu tun haben.
© iStockphoto, @jjfarquitectos

21. April 2022 - 11:06 Uhr

Einerseits ist es eine Charakterfrage, ob wir großzügig oder sparsam sind. Doch auch die Hormone bestimmen zu einem guten Teil mit, wie wir uns verhalten. Menschen mit viel Oxytocin im Körper sind zum Beispiel oft spendabler. Was das "Kuschelhormon" in unserem Körper noch alles bewirkt, zeigen US-Forscher in einer aktuellen Studie.

Lese-Tipp: Mehr Oxytocin: Dieses Essen macht und glücklich

Wer mehr Oxytocin im Körper hat, ist netter zu anderen und zufriedener mit sich selbst

Menschen, deren Gehirn mehr Oxytocin freisetzt, sind einer US-Studie zufolge freundlicher zu anderen und zufriedener mit dem eigenen Leben. Zudem nehme die Oxytocin-Ausschüttung mit dem Alter vielfach zu, berichten Forschende im Fachmagazin "Frontiers in Behavioral Neuroscience". Das häufig als Kuschelhormon bezeichnete Oxytocin ist ein im Gehirn gebildeter Botenstoff, der unter anderem bei der Paarbindung und der mütterlichen Bindung eine Rolle spielt, zudem beeinflusst es allgemein soziale Interaktionen.

Spannende Erkenntnisse: Oxytocinspiegel im Alter höher – dann sind wir zum Beispiel hilfsbereiter

"Die Personen, die in dem Experiment am meisten Oxytocin freisetzten, waren nicht nur großzügiger bei Spenden, sondern zeigten auch viele andere hilfsbereite Verhaltensweisen", fasst Zak das Ergebnis zusammen. "Wir fanden auch heraus, dass die Freisetzung von Oxytocin mit dem Alter zunahm und positiv mit der Lebenszufriedenheit verbunden war." Der Studie zufolge haben ältere Menschen also einen höheren Oxytocin-Spiegel und sind im Mittel hilfsbereiter und zufriedener als jüngere Menschen. Allerdings lässt sich aus der Untersuchung nicht ablesen, ob das Oxytocin Ergebnis oder Auslöser der beobachteten Verhaltensweisen ist. So betonen die Autoren selbst, dass sie keine ursächliche Beziehung zwischen Oxytocin, prosozialem Verhalten und subjektiven Einstellungen herstellen können.

Lese-Tipp: Von Kalorien bis Krebsrisiko: Wie sich Sex auf unsere Gesundheit auswirkt

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Hormon leitet Geburtswehen ein: Wirkungsweise von Oxytocin bleibt in Wissenschaft umstritten

"Wahrscheinlich gibt es neben der Freisetzung von Oxytocin noch weitere Faktoren, die Menschen dazu veranlassen, Geld zu teilen, für wohltätige Zwecke zu spenden, an religiösen Aktivitäten teilzunehmen und eine hohe Lebenszufriedenheit zu haben, die wir nicht messen konnten und die in zukünftigen Forschungen untersucht werden sollten", schreiben sie. Zudem sei die Probanden-Gruppe sehr klein und geografisch homogen gewesen und nicht alle Teilnehmer hätten auf das Video reagiert.

Lese-Tipp: Kuschelprofi! Frau kuschelt mit jedem – und das beruflich

Die genaue Wirkungsweise von Oxytocin ist wissenschaftlich umstritten. Belegt ist, dass das Hormon eine wichtige Rolle in der Beziehung zwischen Mutter und Kind spielt: Oxytocin leitet die Wehen ein, stimuliert die Milchproduktion und stärkt die Beziehung zum Nachwuchs. Daneben kann es Stress und Ängste reduzieren, einfühlsamer machen, ist für die sexuelle Erregung wichtig und kann Paarbindungen sowie das Vertrauen zwischen Menschen fördern.

US-Studie: So wurde die aktuelle Oxytocin-Studie durchgeführt

Bei der hier beschriebenen Studie hatte das Team um den Neuroökonomen Paul Zak von der Claremont Graduate University 103 Probanden zwischen 18 und 99 Jahren in die Studie einbezogen. Ihnen wurde ein Video über einen krebskranken Jungen gezeigt, für das Forscher der Gruppe bereits früher festgestellt hatten, dass es die Ausschüttung von Oxytocin im Hirn stimuliert. Vor und nach dem Video wurde den Probanden Blut abgenommen, um die Veränderung des Oxytocinspiegels zu messen. Zur Überprüfung des prosozialen Verhaltens fragten die Wissenschaftler auch ab, ob die Teilnehmer im vergangenen Jahr Geld- oder Sachspenden geleistet und sich ehrenamtlich betätigt hatten. (dpa/mjä)