Oxfam-Studie: Das wird für Frauen zur Armutsfalle

Frauen leisten täglich mehr als 12 Milliarden Stunden unbezahlte Arbeit

"Frauen und Mädchen leisten den Löwenanteil unbezahlter Haus-, Pflege-, und Fürsorgearbeit – weltweit pro Tag weit mehr als 12 Milliarden Stunden", heißt es in der Studie "Time to Care" ("Zeit, sich zu kümmern").
© dpa, Patrick Pleul

20. Januar 2020 - 15:19 Uhr

Männer besitzen 50 Prozent mehr Vermögen als Frauen

Kinder betreuen, kranke Angehörige pflegen, den Haushalt schmeißen – noch immer erledigen solche Aufgaben vor allem Frauen. Geld gibt es dafür in der Regel aber nicht. Die Folge: Frauen können wenig Vermögen anhäufen. Laut einer Studie der Hilfsorganisation Oxfam besitzen Männer 50 Prozent mehr Vermögen als Frauen.

Der Gegenwert der unbezahlten Hausarbeit: elf Billionen US-Dollar im Jahr

"Frauen und Mädchen leisten den Löwenanteil unbezahlter Haus-, Pflege-, und Fürsorgearbeit – weltweit pro Tag weit mehr als 12 Milliarden Stunden", heißt es in der Studie "Time to Care" ("Zeit, sich zu kümmern"). Gäbe es für diese Arbeit den Mindestlohn, würde das einem Gegenwert von mehr als elf Billionen US-Dollar im Jahr entsprechen, rechnet die Hilfsorganisation vor. Das ist jedoch nicht der Fall – und die unbezahlte Arbeit wird für Frauen zur Armutsfalle.

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Regierung soll Frauenrechte stärken

Der Klimawandel verschärft das Problem noch – zum Beispiel weil der Anbau von Gemüse schwieriger und der Weg zu Wasserstellen weiter wird.
Der Klimawandel verschärft das Problem noch – zum Beispiel weil der Anbau von Gemüse schwieriger und der Weg zu Wasserstellen weiter wird.
© dpa, Kristin Palitza, pil

"Der direkte Zusammenhang zwischen Vermögenungleichheit und Care ist, dass Frauen viel weniger Vermögen aufbauen können über ihr Leben, weil sie einen Großteil ihrer Arbeit in unbezahlter Pflege und Fürsorge leisten", sagt Ellen Ehmke, Analystin für soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland. Sie fordert, den Wert dieser Arbeit endlich anzuerkennen. Gleichzeitig will Oxfam erreichen, dass die Bundesregierung mehr in öffentliche Kinderbetreuung und soziale Absicherung in armen Ländern investiert und weltweit Frauenrechte und –organisationen stärkt.

Denn eine Besserung ist bislang nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Ungleichheit in der Verteilung des Vermögens verschärft sich sogar noch, solange es keine öffentlichen Angebote etwa für die Kinderbetreuung gibt. Denn so können Eltern aus Familien mit hohem Einkommen beide wieder viel früher arbeiten gehen als solche aus Familien mit niedrigem Einkommen.

Klimawandel verschärft Situation

In den ländlichen Gebieten ärmerer Länder ist die Situation noch dramatischer. Hier verbringen Frauen täglich bis zu 14 Stunden mit Pflege- und Fürsorgearbeit. Der Klimawandel verschärft das noch – zum Beispiel weil der Anbau von Gemüse schwieriger und der Weg zu Wasserstellen weiter wird.

Doch nicht nur zwischen den Geschlechtern ist das Vermögen ungleich verteilt. Der Studie zufolge besitzen die weltweit 2.153 Milliardäre mehr Geld als 60 Prozent der Weltbevölkerung zusammen. Außerdem stieg das Vermögen der 500 reichsten Menschen der Welt laut der Finanznachrichtenagentur Bloomberg im vergangenen Jahr um ein Viertel. Nach Berechnungen von Oxfam könnten 117 Millionen neue Jobs in der Altenpflege, im Gesundheitssektor sowie in der Bildung und der Kinderbetreuung finanziert werden, wenn die reichsten Menschen der Welt zehn Jahre lang einen Steueraufschlag von 0,5 Prozent zahlen würden.