OSZE sieht Beweise für Raketenabschuss - weitere Leichen von Flug MH17 gefunden

02. August 2014 - 10:19 Uhr

Niederlande erwägen Militäreinsatz zur Sicherung der Absturzstelle

Mehr als eine Woche nach dem Absturz von Flug MH17 sind noch immer nicht alle 298 Todesopfer geborgen. Australische Ermittler stießen nahe der Absturzstelle überraschend auf einen Großteil des Flugzeugrumpfes sowie weitere Leichen. Derweil erwägen die Niederlande und Australien den Einsatz einer bewaffneten Militäreinheit, um die Sicherheit der Ermittler in dem von pro-russischen Rebellen besetzten Gebiet zu gewährleisten. Innerhalb der EU verständigte man sich auf Wirtschaftssanktionen gegen Russland.

Liefern Trümmerteile der abgestürzten Boeing 777 entscheiden Hinweise auf die Absturzursache?
Stark durchlöcherte Trümmerteile könnten auf einen Raketentreffer hindeuten.
© REUTERS, MAXIM ZMEYEV

Drei Vertreter Australiens sowie Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) waren am Donnerstag in einem dichten Waldstück auf ein Rumpfteil gestoßen, dessen Fenster und Sitze weitgehend intakt waren. "Es schien fast so, als sei es wie aus dem Nichts erschienen, denn es waren keine abgebrochenen Äste oder ähnliche Anzeichen zu sehen, die darauf hinweisen, dass ein großes Stück Rumpf dort zu Boden gefallen ist." Das sagte Sprecher Michael Bociurkiw von der OSZE dem australischen Sender ABC. Die Diplomaten und Gerichtsmediziner seien aber nicht darauf vorbereitet gewesen, die Leichen zu bergen.

Die Niederlande schließen einen bewaffneten Militäreinsatz zur Sicherung der Absturzstelle nicht aus. Darüber werde am Wochenende entschieden, teilte Ministerpräsident Mark Rutte mit. Auch Australien will sich am Schutz für die internationalen Experten beteiligen. Nach Angaben von Rutte führen die Niederlande darüber zurzeit Gespräche mit den Vereinten Nationen und der Ukraine. Ein Militär- oder Polizeieinsatz hänge ab von politischen Fragen, dem völkerrechtlichen Mandat und der Mitarbeit der Ukraine und Russlands, betonte Rutte.

Die Separatisten lehnen eine solche Polizeitruppe nicht kategorisch ab. "Wenn sich Malaysia, Australien oder die Niederlande an uns wenden, werden wir den Vorschlag natürlich prüfen", sagte Sergej Kawtaradse von der 'Volkswehr' in Donezk. Die Aufständischen könnten die Sicherheit der Polizisten in der Kampfzone aber nicht garantieren.

Unterdessen hat die OSZE "zum ersten Mal bestätigt, dass die Unfallermittler aus Malaysia von einem Raketenbeschuss der Maschine ausgehen", berichtet RTL-Reporter Jürgen Weichert aus Donezk. Viele gefundene Teile des Flugzeugrumpfes seien demnach regelrecht durchlöchert von Einschlägen.

EU will Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängen

Als Reaktion auf das russische Gebaren in der Ostukraine hat man sich innerhalb der Europäischen Union auf Wirtschaftssanktionen gegen Russland verständigt. Nach Angaben von Diplomaten verständigten sich die EU-Botschafter auf eine Erschwerung des Zugangs zu den EU-Finanzmärkten, ein Verbot künftiger Waffenexporte, ein Ausfuhrverbot für Hochtechnologieprodukte und auf Exportbeschränkungen für Spezialanlagen zur Öl- und Gasförderung.

Dies sind die ersten Wirtschaftssanktionen, mit denen Moskau dazu veranlasst werden soll, die prorussischen Separatisten nicht länger zu unterstützen. Bisher hat die EU lediglich Einreiseverbote und Kontensperrungen gegen 87 Personen sowie 18 Organisationen und Unternehmen beschlossen.

Die EU-Kommission soll nun bis zum Montag Verordnungstexte für die Umsetzung der Sanktionen vorlegen. Diese sollen dann am Dienstag von den EU-Botschaftern offiziell gebilligt werden, sofern Russland nicht in letzter Minute Zeichen für ein Einlenken gibt. Da die Staats- und Regierungschefs sich im März vorbehalten hatten, selbst über mögliche Wirtschaftssanktionen zu entscheiden, ist noch unklar, ob und wann möglicherweise ein EU-Sondergipfel einberufen wird. Der nächste EU-Gipfel ist für den 30. August geplant. Möglicherweise werde EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy die Regierungschefs auch schriftlich um deren Zustimmung bitten.