21. Juli 2015 - 10:15 Uhr

RTL-Reporter Jürgen Weichert berichtet aus Donezk

Schule - das bedeutet lernen. Vorbereitung für die Zukunft. Aber was, wenn das in einer Gegenwart mitten im Krieg geschieht? Wie etwa im Osten der Ukraine. RTL-Reporter Jürgen Weichert hat eine Schule besucht, die unter Granaten-Beschuss stand.

RTL-Reporter Jürgen Weichert: Schulkinder malen Panzer statt Tiere
RTL-Reporter Jürgen Weichert besucht eine Schule im zerbombten Donezk.

Nur wenige Granaten treffen den Schulhof, doch die Wirkung ist verheerend. Alle Fenster zerbersten, die Granatsplitter fliegen quer durch die ganze Schule. "Hier ging ein Teil der Granate durch die Wand. Vom Schulhof, durchs Fenster, durch die Bibliothek, überall Löcher", sagt Irina Kostenko, Direktorin der Schule Nummer 97 in Donezk. Auch die Klassenräume sind teils zerstört. In der zweiten Klasse ist in der Tafel Einschusslöcher zu sehen – unterrichtet wird trotzdem.

Und zum Glück wurde die Schule rechtzeitig evakuiert. Kein Schüler wurde bei den Kämpfen rund um die Schule verletzt.

"Trotz der ganz schwierigen Situation im Kriegsgebiet und trotz der Bomben, die in dieser Schule eingeschlagen sind, sind die Schüler, die hier geblieben sind, gerne hier. Denn die Schule ist für sie ein Ort der Sicherheit und der Beständigkeit", sagt RTL-Reporter Jürgen Weichert.

Man sieht kaum Kinder außerhalb der Schule

Doch die Schüler haben sich verändert. Früher malten sie Bilder von Füchsen, Tieren, Wäldern, sagt Irina Kostenko, die Direktorin. Sie schildert, wie der Krieg die Kinder verändert. Nun zeichneten sie Bilder von Panzern, Soldaten und fallenden Bomben.

Einen Waffenstillstand gibt es - aber für die Kinder von Donezk ist das noch lange kein Frieden. Allgegenwärtig sind im Alltag weiter die Eindrücke der Kämpfe. Zerstörte Bahnlinien, gesprengte Brücken, zerbombte Häuser. Viele Kinder stehen mit ihren Eltern und Großeltern bei der Ausgabe von Hilfslieferungen an. "Drei Jahre ist mein Enkel alt, wir haben uns im Keller versteckt als die Bomben fielen. er weinte, wir mussten beide weinen", sagt Antonina Kitarenko, Rentnerin in der Ostukraine.

Langsam trauen sich immer mehr Menschen in Donezk auf die Straßen. Aber Kinder sieht man kaum außerhalb der Schule. Die Einschlagslöcher im Schulhof und die Schäden am Schulgebäude - sie werden wohl noch eine Weile bleiben. Es ist einfach zu viel kaputt gemacht worden. In Donezk und in anderen Städten im Grenzgebiet der Ukraine zu Russland.