Mutter zwang sie in den Rollstuhl

Zeugin im Prozess: Kinder wussten nicht, ob sie krank oder gesund sind

20. September 2019 - 11:41 Uhr

Maike B. muss sich vor Gericht verantworten

Jahrelang soll nicht aufgefallen sein, dass Maike B. aus Ostholstein vier ihrer fünf Kinder zwang, in Rollstühlen zu sitzen und Medikamente zu nehmen. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Die 49-Jährige wollte Sozialleistungen kassieren. In dem Prozess am Landgericht Lübeck gegen die Mutter wurden nun eine Kinderärztin und eine Gutachterin befragt. Dabei wird deutlich: Für die Kinder hat die Misshandlung auch psychische Folgen. Warum, erklärt unser Reporter im Video.

Arztbriefe und Atteste erschlichen und gefälscht

Immer wieder soll Maike B. andere Ärzte für ihre Kinder aufgesucht haben, um an Atteste und Medikamente zu kommen. Sie hatte behauptet, die Kinder würden an schweren Krankheiten wie Rheuma, Asthma, der Bluterkrankheit und der Glasknochenkrankheit leiden. Tatsächlich sollen die drei Jungen und ein Mädchen aber gesund gewesen sein.

Medikamente im Wert von mehr als einer Million Euro

Die erschlichenen Medikamente soll Maike B. zuhause falsch gelagert haben. Dadurch seien sie teilweise verdorben und für die Kinder gefährlich geworden, so die Amtsärztin vor Gericht. Die Angeklagte soll sich die Medikamente zu ihrem Hausarzt liefern lassen haben und ihren Kindern die Spritzen zuhause gesetzt haben, obwohl diese die Arznei gar nicht benötigten.

Ärztin meldet Betrug

Mutter wegen Misshandlung vor Gericht
Mutter wegen Misshandlung vor Gericht
© dpa, Rainer Jensen, rje jat

Das Martyrium der Kinder beendet eine Ärztin, die die Kinder immer mal wieder begutachtet. Sie wird skeptisch und zeigt die mutmaßliche Misshandlung bei der Staatsanwaltschaft an. "Das Schlimme: die Mutter ließ die Kinder im Unklaren, ob sie nun wirklich krank sind. Das hatte auch psychische Folgen für die Kinder, da sie gar nicht mehr wussten, ob sie nun gesund sind oder nicht", so die Ärztin.