Ost-Ghuta: UN-Hilfskonvoi darf wichtige Medikamente nicht einführen

05. März 2018 - 13:55 Uhr

Humanitäre Lage in Ost-Ghuta bleibt desaströs

Lange hatte der UN-Sicherheitsrat vergeblich um eine Waffenruhe in Syrien gerungen. Obwohl die Kampfhandlungen ruhen sollen, fliegen Syrien und Russland weiter verheerende Angriffe. Ein erster UN-Hilfskonvoi hat derweil die umkämpfte Region Ost-Ghuta erreicht. Unproblematisch war das nicht, denn die syrische Regierung blockierte einen Teil der Hilfsgüter, darunter lebensrettende Arzneimittel. Unter alledem leidet wieder einmal die Zivilbevölkerung. "Uns geht es schlechter als Straßenhunden", schluchzt eine verzweifelte Mutter. Bilder der dramatischen Lage sehen Sie im Video.

Hilfsgüter von syrischer Regierung zum Teil konfisziert

02.03.2018, Syrien, Douma: Ein syrischer Junge rennt durch die Überreste von durch Luftangriffen zerstörten Häusern. In Ost-Ghuta sind rund 400000 Menschen seit etwa fünf Jahren fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Foto: Samer Bouidani/d
Die Bevölkerung von Ost-Ghuta leidet unvermindert weiter.
© dpa, Samer Bouidani, OWE hel

Um zu den Menschen der Region vordringen zu können, mussten die Helfer wohl wichtige medizinische Güter zurücklassen. Die syrische Regierung habe einen Teil der medizinischen Güter konfisziert, meldet das UN-Nothilfebüro 'Ocha'. Darunter soll sich das gesamte Material für die Behandlung von Verletzungen und für Operationen befunden haben, schreibt die 'Deutsche Presse Agentur'. Drei von 46 Lastwagen sind laut 'Ocha' fast leer in Ost-Ghuta angekommen.

Am Morgen hatte der Konvoi noch medizinischen Hilfsgüter und Nahrung für 27.500 Menschen geladen. Die Region Ost-Ghuta wird seit 2013 von Regierungstruppen belagert, insgesamt sind in dem Gebiet rund 400.000 Menschen eingekesselt. Das Regime von Syriens Präsident Baschar al-Assad wird von Russland und dem Iran unterstützt und fliegt seit Wochen Angriffe gegen Rebellen. Dabei sind in den vergangenen zwei Monaten mehr als 650 Zivilisten getötet worden, darunter viele Kinder.

USA kritisieren Russland scharf

Syrien: Kämpfe in Ost-Ghuta
Trotz UN-Resolution gibt es weiter Kampfhandlungen in Ost-Ghuta.
© imago/Xinhua, Ammar Safarjalani, imago stock&people

Obwohl sich der UN-Sicherheitsrat vor fast zwei Wochen auf einen Waffenstillstand einigen konnte, werden die Kämpfe mit fast unverminderter Härte fortgesetzt. Von der UN-Resolution ausgenommen sind "Terroristen", ein Schlupfloch in der Vereinbarung welches die Regierungstruppen weiter nutzen. Präsident Baschar al-Assad sieht in den Bombardements der eigenen Bevölkerung keinen Widerspruch. Er wolle "der Bevölkerung die Flucht ermöglichen" und gleichzeitig die "Terroristen besiegen".

Die USA kritisieren hierbei insbesondere Russland scharf. Es würden weiter unschuldige Zivilisten unter der Vorspiegelung von Terrorabwehr-Operationen getötet. "Das ist die gleiche Kombination von Lügen und wahlloser Gewalt, die Russland und das syrische Regime benutzt haben, um 2016 Aleppo zu isolieren und zu zerstören", hieß es aus dem Weißen Haus. Russland hatte zuvor im UN-Sicherheitsrat die Einigung auf eine Waffenruhe über mehrere Tage blockiert.