"Once Upon A Time...", "1917" und "Joker" abgeschlagen

Oscars 2020: Kritikerliebling "Parasite" gewinnt überraschend die meisten Academy Awards

Bong Joon Ho feiert seinen Oscar-Gewinn
© REUTERS, Mario Anzuoni, MA/KC

10. Februar 2020 - 7:07 Uhr

Koreanische Sozialsatire "Parasite" gewinnt in vier Kategorien bei den Oscars

Sieger der Herzen bei den Oscars 2020 sind ganz klar der südkoreanische Regisseur Bong Joon Ho und sein vierfach Oscar-prämierter Film "Parasite". Und das liegt auch am sympathischen Auftritt des 50-Jährigen.

Bong Joon Ho bescherte Martin Scorsese Standing Ovations

Er hatte wirklich ein kleines Abo für die Bühne in dieser Oscar-Nacht: Bong Joon Ho. Und jedes Mal, wenn er sich wieder einen Oscar abgeholt hatte, teilte er uns mit, wie seine Nacht enden würde: im Vollrausch! Doch vorher beschert er Martin Scorsese erstmal Standing Ovations. So gerührt war er, mit seinem großen Idol in einer Kategorie nominiert gewesen zu sein: "Ich habe Martin Scorseses Filme studiert. Ich hätte nie gedacht, dass ich gewinne."

"Parasite" ist der erste nichtenglischsprachige Film, der bei den Oscars in der Kategorie Bester Film gewinnt. Das ist schon eine Sensation. Und dann hat Regisseur Bong Joon Ho auch noch den Regie-Oscar gewonnen und den für das beste Original-Drehbuch. Dazu wird "Parasite" als bester internationaler Film geehrt - früher hieß die Kategorie bester fremdsprachiger Film. Das war nach den vielen Preisen, die Sam Mendes' "1917" abgeräumt hatte, nicht unbedingt so zu erwarten.

Messerscharf seziert: die koreanische Klassengesellschaft

Der Regisseur, bekannt durch Werke wie "The Host" und "Okja", erzählt in seiner bildgewaltigen und scharfzüngigen Sozialsatire, wie die Mitglieder einer Unterschicht-Familie sukzessive Einzug in das Domizil einer sehr begüterten Kleinfamilie Einzug halten - mit verstörenden Folgen. Meisterlich und messerscharf seziert er dabei die Klassenunterschiede in seinem Heimatland - mit subtilem Humor, überraschenden Drehbuchwendungen und Mut zu drastischer Darstellung.

Vielfach Nominierte gingen fast leer aus

Todd Phillips' "Joker" war gleich für elf Oscars nominiert und ging als Favorit ins Rennen. Am Ende reichte es für zwei Oscars - für Joaquin Phoenix in der Hauptrolle und für die Filmmusik. Auch Quentin Tarantinos "Once Upon A Time In Hollywood" konnte nur zwei von zehn Nominierungen in Gold umwandeln. Martin Scorsese guckte mit seinem Mafiaepos "The Irishman" ganz in die Röhre, obwohl gleich zehnfach nominiert.

Der koreanische Regisseur Bong Joon Ho hingegen ging mit "nur" sechs Nominierungen ins Rennen und räumte vierfach ab. Mit seiner bildgewaltigen und bissigen Satire "Parasite" war er zwar vorher schon der Liebling aller Filmkritiker. Aber spätestens nach seinen allesamt liebenswürdigen Auftritten bei der 92. Verleihung der Academy Awards dürfte der Mann zahlreiche neue Fans haben, die sich seinen Film bestimmt noch ansehen werden. Zumal er am 13. Februar 2020 noch mal ins Kino kommt - diesmal in Schwarz-Weiß.