Orkan 'Andrea' stürmt durch Deutschland

10. Februar 2016 - 12:21 Uhr

Tote und Verletzte durch Unwetter

Mit heftigen Böen, peitschendem Regen und vielerorts Schnee ist Orkan 'Andrea' durch Deutschland getobt.

Tote und Verletzte durch Unwetter
Orkan 'Andrea' riss vielerorts Bäume um.
© dpa, Patrick Seeger

Der Sturm schien umso heftiger zu werden je weiter er sich nach Süden schob. Auf der Zugspitze und auf dem Feldberg im Schwarzwald wurden Orkanböen mit Spitzengeschwindigkeiten von 176 Kilometern pro Stunde gemessen. Auch in den kommenden Tagen bleibt es windig und regnerisch. In den Alpen ist eine Menge Schnee zu erwarten.

Bayern wurde in Teilen besonders hart getroffen. Im oberfränkischen Weißenstadt starb eine 43 Jahre alte Autofahrerin nach einem Frontalzusammenstoß. Das andere Auto wurde von einer Sturmböe in den Gegenverkehr gedrückt, wie die Polizei vermutete. Vielerorts blockierten umgestürzte Bäume die Straßen. In Regensburg und im bayerischen Thannhausen wurden Dächer eines Möbelhauses und eines Supermarktes abgedeckt. Die Autobahn 3 zwischen Nürnberg und Passau wurde auf einer Länge von etwa fünf Kilometern vorübergehend komplett gesperrt, um Teile eines Wellblechdachs zu bergen.

In Bremen stürzte ein Baum auf ein Taxi. Der Fahrer konnte sich bei dem Unglück auf den Beifahrersitz retten, wie die Polizei berichtete. Der Mann wurde an der Schulter verletzt. In Hessen warf 'Andrea' Container von einem Schiff auf dem Rhein und wehte einen Lastwagen um. Verletzte gab es aber nicht.

Hochwasserlage verschärft sich

Bei Reken im Münsterland prallte ein Regionalzug gegen einen vom Sturm entwurzelten Baum und entgleiste. Vier Fahrgäste und der Triebwagenführer (43) kamen mit dem Schrecken davon. Wie ein Sprecher der Bundespolizei mitteilte, hatte der Zug noch keine volle Fahrt aufgenommen und war mit etwa Tempo 70 unterwegs. Das Gleisbett wurde stark beschädigt. Daher war die Strecke von Coesfeld nach Dorsten unterbrochen. In Baden-Württemberg ging die Deutsche Bahn auf Nummer sicher und stellte den Zugverkehr zwischen Villingen und Rottweil sowie auf der Dreiseenbahn zwischen Titisee und Seebrugg ein.

In Köln wurde die "Hochwassermarke eins" erreicht. "Es gibt erste Einschränkungen für die Schifffahrt", sagte der Leiter der Hochwasserschutzzentrale, Reinhard Vogt. Zum Wochenende könnte sich die Hochwasserlage noch verschärfen. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg und Rostock warnt an der Küste vor Sturmfluten. In der Kieler und der Lübecker Bucht werden Wasserstände bis 1,4 Meter über Normal erwartet, in der Region um Rügen bis 1,3 Meter über Normal.

In Frankreich richtete der Sturm vor allem im Norden des Landes Schäden an Dächern und Oberleitungen an. Ein umgestürzter Baum auf der Autobahn Lille-Paris verursachte einen Unfall mit zwei Lastwagen. In Belgien störte 'Andrea' die Hochgeschwindigkeitszüge Thalys zwischen den Niederlanden und Brüssel. Und auch in Teilen Großbritanniens wüteten Winterstürme. 16.000 Haushalte in Schottland waren seit Dienstag ohne Strom. Brücken mussten gesperrt und Fährverbindungen unterbrochen werden.