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"Orbital Reflector": Kunst-Projekt im All macht Astronomen wütend

Orbital Reflector: Riesiges Kunstwerk im All
Orbital Reflector: Riesiges Kunstwerk im All Astronomen sind sauer 01:06

Der wohl ungewöhnlichste Satellit aller Zeiten

Er bringt die Forschung nicht voran, er sendet keine GPS-Daten und macht sich auch sonst in keiner Weise nützlich. Er reflektiert Licht – aber nur der Kunst wegen. Und genau das kritisieren Astronomen. Sie fürchten, der "Orbital Reflector" werde mit seinem Licht ihre wissenschaftlichen Beobachtungen beeinträchtigen. Bald wissen sie, ob das stimmt, denn gerade wurde das aufblasbare Kunstobjekt in die Erdumlaufbahn geschossen. Zurzeit geht es in den Betriebsmodus über. Und in etwa zwei Tagen kann jeder Mensch den "Orbital Reflector" auf der Erde sehen und online seine Position verfolgen - so ist zumindest der Plan.

Ein künstlicher Stern für alle

Sternenhimmel
Der Sternenhimmel über der Gülper Havel, einem Nebenarm der Havel. Foto: Patrick Pleul/Archiv © deutsche presse agentur

Der "Orbital Reflector" ist ein Ballon und sieht aus wie ein riesiger, länglicher Diamant. Er ist etwa 30 Meter lang, fast so lang wie drei LKW, und besteht aus einer speziellen, titaniumbeschichteten Folie. Wie das genau aussieht, sehen Sie im Video.

Ausgedacht hat sich das Ganze der US-Künstler Trevor Paglen. Seine Idee: Die glänzende Oberfläche des Diamanten soll die Sonne reflektieren, so dass man ihn nachts und bei Dämmerung am Himmel sehen kann. Etwa so hell wie ein Stern im Großen Wagen wird er leuchten und auch mit dem bloßen Auge erkennbar sein.

Der Ballon ist dabei recht fix unterwegs: Gut 90 Minuten braucht er, um die Erde in 560 Kilometern Höhe einmal zu umrunden. Wer wissen will, ob der künstliche Stern gerade in Sichtweite ist, kann ihn entweder auf dieser Webseite verfolgen, oder über die kostenlose App "Star Walk 2".

Und wofür das Ganze?

Two BeiDou-3 satellites via a single carrier rocket take off at the Xichang Satellite Launch Center, Sichuan province, China November 19, 2018.  REUTERS/Stringer ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. CHINA OUT.
Chinesische Rakete bringt Satelliten ins All. © REUTERS, CHINA STRINGER NETWORK, TS/LP

Der glänzende Diamant soll unsere Aufmerksamkeit auf den Weltraum lenken. Und auf die potenzielle Bedrohung, die dort lauert: Die Großmächte USA, China und Russland wetteifern seit Jahrzehnten um die militärische Kontrolle über die Erdumlaufbahn. Geheime Spionagesatelliten gibt es schon. An Waffen, die im Weltraum stationiert sind, wird intensiv geforscht.

Aufhalten kann der Diamantballon diese Entwicklung wohl kaum. Ein entsprechender Vertrag, dem alle Länder zustimmen, ist zurzeit in weiter Ferne. US-Präsident Trump sagte erst im August, er wolle eine Space Force gründen, um das All militärisch zu dominieren.

Hoffen wir also, dass der "Orbital Reflector" wenigstens hübsch aussieht. Drei Monate lang soll er den Erdball umkreisen, bevor er in die Atmosphäre absinkt und verglüht.​

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