Sie gibt der Regierung die Schuld

Nachdem ihre Wohnung durchsucht wurde: Russische Journalistin verbrennt sich selbst

Irina Slawina
Irina Slawina
© Khodorkovsky Center

02. Oktober 2020 - 23:35 Uhr

Oppositionelle in Russland unter Druck

Regierungskritiker werden in Russland eingeschüchtert und schikaniert. Im Fall der Kreml-kritischen Journalistin Irina Slawina offenbar so krass, dass die Frau sich selbst verbrannt hat. Nur einen Tag zuvor hatten russische Behörden ihre Wohnung durchsucht. Sie starb, nachdem sie sich vor einem Büro des Innenministeriums in der Stadt Nischni Nowgorod 400 Kilometer östlich von Moskau selbst angezündet hatte.

Slawina gibt der russischen Regierung die Schuld an ihrem Tod

Auf ihrer Facebook-Seite schreibt die Journalistin: "Macht die russische Föderation für meinen Tod verantwortlich."

Am Tag vor ihrem Tod hatte Slawina erklärt, ihre Wohnung sei von Polizisten durchsucht worden. Dabei seien Notebooks, ihr Laptop und andere Elektronik sowie der Laptop ihrer Tochter und das Mobiltelefon ihres Mannes beschlagnahmt worden. Auch sei nach Material der Oppositionsgruppe "Open Russia" gesucht worden, die vom Kreml-Kritiker Michail Chodorkowsky finanziert wird.

Slawina arbeitete als Chefredakteurin für das kleine Nachrichtenunternehmen Kosa Press. Mitglieder der russischen Opposition erklärten, Slawina habe seit langem unter dem Druck der Behörden gestanden. "In den vergangenen Jahren war sie wegen ihrer Aktivitäten für die Opposition endlosen Verfolgungen durch die Behörden ausgesetzt", schrieb etwa der Politiker Dmitri Gudkow auf Instagram. "Was für ein Alptraum", twitterte der Kreml-Kritiker Ilja Jaschin. "Die Regierung bricht die Menschen psychisch."

Umgang mit Regierungskritikern sorgt international für Empörung

Auch der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny äußerte sich auf Twitter zu dem Fall. Er forderte, nicht nur die Sicherheitskräfte in Nischni Nowgorod, sondern die Auftraggeber für die Schikanen innerhalb der russischen Regierung in Moskau zur Verantwortung zu ziehen.

Nawalny selbst gilt als schärfster Kritiker Putins. Er hat im Septemper nur knapp einen Giftanschlag, mutmaßlich angeordnet von der russischen Regierung, überlebt. Nawalny war kurz vor seiner Abreise in einem Hotel mit dem Nervengift Nowitschok vergiftet worden. Nawalnys Team gibt an, das Gift an Wasserflaschen gefunden zu haben. Er wurde in der Berliner Charité behandelt, will aber unbedingt nach Russland zurückkehren und weiter für Gerechtigkeit kämpfen.