US-Abtreibungsarzt konservierte über 2.200 Föten

Opfer Serena Dyksen: „Die Abtreibung war schlimmer als die Vergewaltigung davor“

2. Dezember 2019 - 16:08 Uhr

Betroffene melden sich zu Wort

Was Angehörige nach dem Tod von Abtreibungsarzt Dr. Ulrich Klopfer in dessen Garage fanden, zog seinen ehemaligen Patientinnen den Boden unter den Füßen weg. Der gebürtige Deutsche, der im US-Bundesstaat Indiana lebte und praktizierte, hatte Jahrzehnte lang Föten konserviert und in seinem Haus gebunkert. Der Fall kam bereits im September ans Licht. Jetzt melden sich immer mehr betroffene Frauen zu Wort, die sich fragen: Was hat Dr. Klopfer mit meinem Baby gemacht? Eine von ihnen ist Serena Dyksen. Vor 30 Jahren war sie Klopfers Patientin. Im Interview mit RTL-Reporterin Tara Bohan sagte sie: Die Abtreibung war schlimmer als die Vergewaltigung davor." Wie die Frau zu dieser drastischen Aussage kommt, erklärt sie im Video.

"Dann hat er mich angeschrien"

Serena war 13 Jahre alt, als es passierte. Erst wurde das Mädchen vergewaltigt, später stellte sich heraus: Ihr Peiniger hatte sie geschwängert. "Meine Eltern steckten damals in einer Krise, sie wussten nicht, was sie tun sollten. Man riet ihnen, eine Abtreibung vornehmen zu lassen, dann brachten sie mich zu Dr. Klopfer", erinnert sich die Frau heute. Gemeinsam mit unserer Reporterin wagte sich Serena 30 Jahre später an den Ort zurück, an dem alles geschah.

Es regnet, als die Frauen den Bungalow erreichen, in dem der Arzt damals praktizierte. Die Fenster sind abgeklebt, die Praxis ist verlassen. Nur zwei Autos, die in einer Einbuchtung neben dem Haus parken, lassen noch erahnen, dass hier noch vor kurzem jemand gearbeitet hat. "Ich fühle eine Schwermütigkeit. Ich dachte damals, der Arzt hätte mein Bestes im Sinn gehabt. Aber dann hat er mich angeschrien. Er war kein netter Mann", sagt Serena und schaut auf die Eingangstür des Gebäudes. Was ihr dahinter widerfahren sei, habe ihr ganzes Leben verändert.

Fehlgeburt kostete Serena beinahe das Leben

RTL-Reporterin Tara Bohan (l.) und Serena Dyksen gehen an den Ort zurück, an dem die Abtreibung vor 30 Jahren stattgefunden hat.
RTL-Reporterin Tara Bohan (l.) und Serena Dyksen gehen an den Ort zurück, an dem die Abtreibung vor 30 Jahren stattgefunden hat.
© RTL

"Was auch immer er getan hat: Es war so grob. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich betäubt war. Ich weiß nur, dass ich Schmerzen hatte und geschrien habe und er hat mich ausgeschimpft." So beschreibt Serena ihre Abtreibung. Was folgte seien Depressionen, Medikamente und Angst gewesen. Noch Jahre später habe sie unter den Folgen der groben Behandlung gelitten.

"Ich hatte eine Fehlgeburt und habe durch eine Eierstockverletzung beinahe mein Leben verloren", sagte sie. Erst die Behandlung in einer Klinik und das aktive Trauern um ihre verlorenen Babys hätten ihr Frieden gebracht.

Schwangerschaftsabbruch hinterließ eine Leere

In unserem Interview bezeichnet sich Serena selbst als Aktivistin. Heute setze sie sich gegen Abtreibungen ein - auch, wenn der Schwangerschaft eine Vergewaltigung vorausgegangen sei. Denn: "Eine Abtreibung ist psychologisch zermürbend." Sie habe auch nach 30 Jahren das Gefühl, dass ihr das abgetriebene Kind im Leben fehle. Heute kläre sie Frauen, die kurz vor einem Schwangerschaftsabbruch stehen, darüber auf, dass es auch andere Auswege gebe, als das Kind einfach "wegzumachen". Denn immerhin wisse sie um die Leere, die ein solcher Eingriff hinterlassen könne.

Um zumindest einen Teil der Leere von Dr. Klopfers Opfern zu füllen, hat sich Serena jetzt mit der Regierung auseinandergesetzt. Zusammen wollen sie den Ex-Patientinnen einen DNA-Test ermöglichen, damit sie klären können, ob auch ihre Babys in der Garage des Arztes gelagert waren. So könnten sie ihre verlorenen Kinder zumindest beerdigen und betrauern.