Wut nach mildem Urteil

Opfer des Klospanners von Chemnitz: „Es wäre mir lieber gewesen, er büßt dafür“

05. Februar 2019 - 21:13 Uhr

Yvonne R. kämpft mit den Tränen

Ihre Enttäuschung kann und will Yvonne R. nicht verbergen, als sie aus dem Gerichtssaal kommt. Über Monate hat ihr Chef sie mit einer versteckten Kamera auf der Toilette gefilmt. Jetzt das Urteil. "Mir geht's nicht gut", sagt die junge Frau im Video und versucht, gefasst zu wirken. "Ich bin froh, dass er überhaupt ein Urteil gekriegt hat. Aber er bezahlt Geld dafür..."

Es ist nicht viel Geld. 40 Tagessätze á 90 Euro. Das sind 3600 Euro, weil er Aufnahmen von Yvonne R. auf der Betriebs-Toilette gemacht hat. Mit einer Kamera, die er in einem Staubsauger versteckt hat. Der 47-jährige Heiko U. hat vor dem Amtsgericht Chemnitz alles abgestritten. Aber die Beweise sind erdrückend.

„Habe nicht das Gefühl, dass sich der Kampf gelohnt hat“

Für den 47-jährigen Betreiber eines Telefon-Shops ist das Geld leicht aufzubringen. Doch Yvonne R. wird mit den Folgen dieses Vertrauensbruchs umgehen müssen. Sie wird wohl auf lange Zeit das Gefühl nicht los, in intimen Situationen beobachtet zu werden.

"Es wäre mir lieber gewesen, dass er dafür büßt", sagt sie mit tonloser Stimme. "Bis jetzt habe ich eigentlich nicht das Gefühl, dass sich der Kampf gelohnt hat."

Heiko U. verlässt das Gericht schweigend, weicht mit seinem Blick den Kameras aus. Yvonne R. verharrt noch eine ganze Weile still im Gang, bis auch sie sich sammelt und am Arm einer Freundin das Gericht verlässt.