'Operation Schnuller': Weltweiter Kinderporno-Ring zerschlagen - 900 Festnahmen

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11. Mai 2017 - 11:15 Uhr

296 sexuell missbrauchte Kinder identifiziert oder gerettet

Sie dachten, sie hätten leichtes Spiel: Im Darknet wuchs ein riesiges Netzwerk mit Kinderpornos. Binnen Monaten hatten 150.000 Nutzer Zugriff. Irgendwann machte der kriminelle Gründer den entscheidenden Fehler. Das FBI schlug zu.

Operation von FBI und Europol dauerte über zwei Jahre

Internationalen Ermittlern ist ein großer Schlag gegen einen weltweiten Kinderporno-Ring gelungen. Rund 900 Menschen seien weltweit festgenommen worden, knapp 370 davon in Europa, teilte Europol mit. 296 sexuell missbrauchte Kinder seien identifiziert oder gerettet worden, teilten das FBI und Europol mit. Die bislang geheim gehaltene Operation dauerte mehr als zwei Jahre.  

Anfang dieser Woche waren die drei Hauptverantwortlichen der Internet-Plattform 'Playpen' in den USA zu Gefängnisstrafen von bis zu 30 Jahren verurteilt worden, darunter der 58 Jahre Schöpfer der Website aus Florida. 'Playpen' ist nach Angaben von Europol eine der weltweit größten Kinderporno-Plattformen mit mehr als 150.000 Nutzern. Federführend für die Aktion war das amerikanische FBI.

Nach Angaben der US-Bundespolizei wurden allein in den USA 25 Menschen angeklagt, die Kinderpornografie produzierten und 51 Menschen, die Kinder körperlich missbraucht haben sollen. 55 Kinder seien allein in den USA identifiziert und gerettet worden.

Gründer machte Fehler und eröffnete Ermittlern Zugang zur IP-Adresse

'Playpen' befand sich im verborgenen Teil des Internet, im Darknet. Über die Plattform konnten Nutzer Zugang zu großen Beständen von Kinderpornos bekommen. Es sei die erfolgreichste Aktion gewesen, die jemals vom FBI gegen Kriminelle auf der Darknet-Servicewebsite Tor geführt worden war.

"'Playpen' ist geschlossen, aber andere machen weiter", sagte FBI-Special Agent Dan Alfin. "Wir setzen unsere Bemühungen fort, so gut wir nur können", betonte er. "Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel, mit der Einschränkung, dass es kein Spiel ist." Die Kinderporno-Seite war 2014 gestartet. "Wenig später bemerkten wir es, aber wir konnten nichts tun", sagte Alfin.

Erst im Dezember machte der Gründer einen Fehler und eröffnete den Ermittlern so Zugang zur IP-Adresse, die in den USA registriert war. "Den Hinweis bekamen wir von Kollegen aus dem Ausland", sagte Alfin. Anschließend rollten weltweit die geheimen Ermittlungen unter dem Namen 'Operation Pacifier' ('Operation Schnuller'), um die Nutzer aufzuspüren. Europol koordinierte dabei die Ermittlungen in Europa.