Opel-Werk in Bochum droht erneut das Aus

13. Juni 2012 - 19:48 Uhr

Boss Stracke soll Kanzleramt informiert haben

Bei den fast 5.200 Opel-Beschäftigten in Bochum schrillen wieder die Alarmglocken: Insidern zufolge steht das Werk vor dem Aus. Mit der Schließung zweier Fabriken - neben Bochum gilt das britische Ellesmere Port als gefährdet - wolle das Management des Rüsselsheimer Autobauers auf die schweren Verluste und die Absatzkrise in Südeuropa reagieren, sagten Insider.

Opel-Werk in Bochum steht offenbar vor Aus.
Das Opel-Werk in Bochum steht wieder einmal vor dem Aus.
© dpa, A3399 Arne Dedert

Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke hat einem Zeitungsbericht zufolge das Kanzleramt über Pläne zur Schließung des Werks in Bochum informiert. Dies meldete die WAZ Mediengruppe unter Berufung auf Regierungskreise. Am Montag sei demnach ein Gespräch zwischen Stracke und dem Betriebsrat geplant.

Am kommenden Mittwoch werde sich der Aufsichtsrat der GM-Tochter mit einem Geschäftsplan befassen, der voraussichtlich die Senkung der Produktionskapazitäten um 30 Prozent vorsehe, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen.

"GM hat wiederholt erklärt, dass es angesichts von Überkapazitäten von 500.000 Fahrzeugen pro Jahr zwei Werke zu viel gebe. Der neue Produktionschef hat ein Werk nach dem anderen besucht und spielt sie gegeneinander aus", sagte ein Aufsichtsratsmitglied aus dem Arbeitnehmerlager. "Wir kennen die Kernpunkte des neuen Geschäftsplans, der am Mittwoch präsentiert werden könnte. Dieser sieht Werksschließungen vor, Wachstum soll es für Opel nicht geben."

Sollte es zu einer Abstimmung kommen, werde die Arbeitnehmerseite geschlossen gegen die Pläne stimmen, erklärte das Aufsichtsratsmitglied. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse können die Arbeitnehmervertreter eine Entscheidung aber nicht blockieren.

Rezession in Südeuropa bremst Autoverkauf

Die Beschäftigten in Bochum haben seit vielen Jahren Angst vor einem Aus für die Fabrik, immer wieder wurde über das rund 50 Jahre alte Werk als Kandidat Nummer eins für einen Kapazitätsabbau spekuliert. Das Werk ist nach Opel-Angaben der größte industrielle Arbeitgeber in der Region. In den dortigen Werken werden die Modelle Astra und Zafira sowie Achsen und Getriebe produziert. 2007 wurden dort 240.000 Autos gebaut. Im britischen Ellesmere Port werden verschiedene Versionen des Astra gebaut. Dort sind Vauxhall-Angaben zufolge 2100 Menschen beschäftigt, das Werk hat eine Produktionskapazität von 187.000 Autos.

GMs Europageschäft - das ist Opel und zum kleineren Teil die britische Vauxhall - schrieb 2011 knapp 750 Millionen Dollar Verlust. Daher gibt es seit längerem Spekulationen über scharfe Einschnitte. Opel hat in Deutschland insgesamt noch etwa 40.000 Mitarbeiter und weitere Werke in Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern. Bis Ende 2014 läuft noch eine Vereinbarung, die Werkschließungen und betriebsbedingte Kündigungen bei Opel ausschließen - der Betriebsrat pocht immer wieder auf die Einhaltung des Pakts.

Im Stammwerk in Hessen werden derzeit die Bänder tageweise angehalten, weil die Nachfrage stockt. Opel steht auch unter Druck, weil der Absatz wegen der Rezession in Südeuropa zurückgegangen ist.

GM will seine Tochter Opel daneben noch mit einer Allianz mit der französischen Peugeot in die Gewinnzone zurückführen. Bis zum Jahresende sollen erste gemeinsame Projekte anlaufen. Das erste gemeinsam entwickelte Fahrzeug soll 2016 auf den Markt kommen.