Opel macht Standort in Bochum dicht: "Das Herz hat aufgehört zu schlagen"

05. Dezember 2014 - 19:31 Uhr

Rund 3.000 Mitarbeiter verlieren ihre Stelle

"Bochum, ich komm aus Dir", heißt es in Herbert Grönemeyers Lied an seine Heimatstadt. Für Autos von Opel wird das bald nicht mehr gelten – nach 52 Jahren im Ruhrgebiet macht der Automobilhersteller seinen Standort in Bochum dicht. Die Schließung kostet rund 3.000 Opel-Mitarbeiter den Arbeitsplatz.

Opel schließt Standort in Bochum.
Das mutmaßlich letzte in Opel Bochum hergestellte Auto - ein Zafira.
© dpa

"Das Herz von Opel hat aufgehört zu schlagen", sagt ein Beschäftigter. Das Bild greift auch Grönemeyer in einem emotionalen Statement auf: "Mit der Schließung wird natürlich ein Herzschlag aus Bochum weggenommen." In Bochum rollte nun der letzte Wagen – ein Opel Zafira – vom Band. Zwei Autos vom letzten Produktionstag würden sozialen Einrichtungen in der Stadt gespendet, teilte das Unternehmen mit. Von den Mitarbeitern wolle man sich würdig verabschieden, sagte ein Sprecher. Am Montag ist noch eine Betriebsversammlung im Werk geplant.

Wegen Überkapazitäten hat Opel den Standort geschlossen

Für die langjährigen 'Opelaner' dürfte das kaum ein Trost sein. "Es fühlt sich an, als ob man in die Intensivstation geht", sagt Mitarbeiter Oliver Wähnert. "Gleich werden die lebenserhaltenden Maschinen abgeschaltet." 26 Jahre lang hat Wähnert bei Opel in Bochum gearbeitet. Der 47-Jährige bangt nach der Schließung um seine Zukunft, fürchtet sich vor Hartz IV. "Ich glaube nicht, dass ich es noch einmal so erwischen werde, wie ich's bei Opel hatte."

Wegen Überkapazitäten hat Opel den Standort Bochum geschlossen. Bis 2016 möchte der Autobauer wieder schwarze Zahlen schreiben. Für Bochum ist die Schließung ein Schlag: Die Stadt leidet mit aktuell 9,4 Prozent Arbeitslosenquote unter überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit. Das Opelwerk war einst Vorzeigeprojekt des Strukturwandels an der Ruhr: Es war auf früherem Bergbaugrund errichtet worden, als im Revier das Zechensterben begann. Nun stehen rund 3.000 Beschäftigte vor einer ungewissen beruflichen Zukunft. Die meisten von ihnen wechseln für maximal zwei Jahre in eine Transfergesellschaft mit zunächst vollem und später reduziertem Gehalt. Auf dem riesigen Werksgelände bleibt nur ein Ersatzteillager des Autokonzerns mit insgesamt 700 Beschäftigten.