Opel-Krise in Bochum: Naht die Rettung?

10. Februar 2016 - 15:36 Uhr

Unterstützung für Opelaner von Landesmutter Kraft

In Bochum geht die Angst um - wieder einmal. Das Opel-Werk im Ruhrpott ist von der Schließung bedroht. Die Opelaner wollen das nicht wahrhaben und kämpfen mit prominenter Unterstützung um ihren Arbeitsplatz.

Opel Bochum in der Krise.
Opel Bochum in der Krise. Bei einer Belegschaftsversammlung sprach auch Landesmutter Hannelore Kraft (SPD). Doch kann sie den kriselnden Autobauer retten?
© dpa, Bernd Thissen

So kam Landesmutter Hannelore Kraft (SPD) ins Werk und sprach zu den Mitarbeitern. Und es gibt Anlass zur Hoffnung: Nach Aussage von Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke soll bald über die Zukunft des Bochumer Werks entschieden werden. Am 28. Juni solle dem Aufsichtsrat ein Unternehmensplan mit einem Gesamtkonzept für Europa vorgelegt werden, kündigte Stracke bei einer Betriebsversammlung an.

Allerdings machte der Opel-Chef keine Zusicherungen und sagte stattdessen, man wolle in die Gewinnzone kommen. Er bestritt, dass es Pläne gebe, die Produktion des Kompakt-Vans Zafira aus Bochum ins Stammwerk nach Rüsselsheim zu verlagern. "Ich habe Rüsselsheim nicht den Zafira aus Bochum angeboten." Stracke bekräftigte, Opel werde sich an den Standortsicherungsvertrag für halten, der betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen bis Ende 2014 ausschließt.

"Dann brennt hier die Ruhr"

Kraft fand aufmunternde und kämpferische Worte vor den Opelanern. Das Unternehmen, das zum US-Autoriesen General Motors (GM) gehört, dürfe nicht in der Defensive verharren, sondern müsse die Vorteile des Standortes deutlich machen, forderte sie bei einer Belegschaftsversammlung.

"Bochum verfügt über hochmotivierte, hoch qualifizierte Mitarbeiter und ein hervorragendes Netzwerk (...) Es geht darum, zu sehen, wo sind neue Perspektiven. Letztlich sind wir auch eine der Regionen, in der sehr viele Opel verkauft werden", betonte Kraft.

Die Belegschaft machte ihrem Ärger Luft. Der langjährige Opel-Beschäftigte Reinhard Ostermann (59) sagte: "Ich bin stinksauer. Das ist dieselbe Hängepartie wie seit zehn Jahren." Bochum werde ständig gegen andere Werke ausgespielt. "Die hundertste Beschwichtigung ist eine zu viel", sagte Gabi Gärtner, Ehefrau und Schwester von Opel-Beschäftigten. Das Familienleben leide unter dem ständigen Bangen um den Job. "Das ist eine Atmosphäre, an der man kaputt geht." Die Bochumer Beschäftigten sollten sich an ihre eigene Kraft erinnern, meinte sie. 2004 habe das Werk schon einmal erfolgreich gestreikt.

Der Betriebsratschef des Bochumer Werks, Rainer Einenkel, betonte die Kampfbereitschaft der Belegschaft. Die Arbeitnehmer seien zu keinen weiteren Zugeständnissen bereit. "Wir zahlen keinen Cent für unsere Beerdigung." Der Betriebsrat verlange einen Unternehmensplan, der allen Werken eine Perspektive gebe. Falls Opel die Schließung des Standorts ankündigen sollte, "brennt zehn Minuten später die Ruhr", sagte Opel-Mitarbeiter Carsten Adametz.

Bei Opel in Bochum sind gut 3.200 Menschen beschäftigt. Der Bochumer Betriebsrat verlangt eine Zusage, dass der Familienvan Zafira für die gesamte Laufzeit des Modells im Bochumer Werk produziert wird. Hintergrund sind immer größer werdende Sorgen in der Belegschaft. Weil der Astra von 2015 an nur noch im Ausland gefertigt werden soll, werden Verlagerungen der Zafira-Produktion ins Opel-Stammwerk Rüsselsheim befürchtet.