Opel-Krise in Bochum: Haben die Briten gemogelt?

13. Juni 2012 - 19:48 Uhr

Unterstützung für Opelaner von Landesmutter Kraft

In Bochum geht die Angst um – wieder einmal. Das Opel-Werk im Ruhrpott ist von der Schließung bedroht. Die Opelaner wollen das nicht wahrhaben und kämpfen mit prominenter Unterstützung um ihren Arbeitsplatz.

Opel-Krise in Bochum: Haben die Briten gemogelt?
In Bochum geht die Angst um – wieder einmal. Das Opel-Werk im Ruhrpott ist von der Schließung bedroht
© dpa, Roland Weihrauch

Bei Opel in Bochum sind gut 3.200 Menschen beschäftigt. Der Betriebsrat verlangt eine Zusage, dass der Familien-Van Zafira für die gesamte Laufzeit des Modells im Bochumer Werk produziert wird. Hintergrund sind immer größer werdende Sorgen in der Belegschaft. Weil der Astra von 2015 an nur noch im Ausland gefertigt werden soll, werden Verlagerungen der Zafira-Produktion ins Opel-Stammwerk Rüsselsheim befürchtet

So kam Landesmutter Hannelore Kraft (SPD) ins Werk und sprach zu den Mitarbeitern. Und es gibt Anlass zur Hoffnung: Nach Aussage von Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke soll bald über die Zukunft des Bochumer Werks entschieden werden. Am 28. Juni solle dem Aufsichtsrat ein Unternehmensplan mit einem Gesamtkonzept für Europa vorgelegt werden, kündigte Stracke bei einer Betriebsversammlung an.

Allerdings machte der Opel-Chef keine Zusicherungen und sagte stattdessen, man wolle in die Gewinnzone kommen. Er bestritt, dass es Pläne gebe, die Produktion des Kompakt-Vans Zafira aus Bochum ins Stammwerk nach Rüsselsheim zu verlagern. "Ich habe Rüsselsheim nicht den Zafira aus Bochum angeboten." Stracke bekräftigte, Opel werde sich an den Standortsicherungsvertrag für halten, der betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen bis Ende 2014 ausschließt.

Der Bochumer Betriebsrat setzt vorerst auf Argumente. Die beste Auslastung und die beste Qualität aller Werke habe Bochum – das sei einer der Trümpfe. Wenn man Opel-Bochum dichtmache, werde die Marke den Imageverlust nicht überleben, warnte er. Gegen mögliche Kündigungen werde natürlich geklagt.

Opel-Betriebsrat vermutet Verstoß gegen EU-Recht

Die britische Regierung hat nach Informationen des Betriebsrats den Zuschlag für die Astra-Fertigung in England möglicherweise mit unerlaubten Subventionszusagen erkauft. Der Autobauer hatte in der vergangenen Woche bekanntgegeben, dass das Kompaktmodell künftig nicht mehr im Stammwerk Rüsselsheim, sondern von 2015 an im britischen Ellesmere Port und in Gliwice (Polen) gebaut werden soll.

Es gebe Hinweise, dass Subventionszusagen bei der Entscheidung für Ellesmere Port eine erhebliche Rolle gespielt haben könnten, sagte der Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug. "Diese würden gegen das EU-Beihilferecht verstoßen, da sie nach ernstzunehmenden Hinweisen an die Produktentscheidung für Ellesmere Port gekoppelt sind."

Aus dem Europaparlament sei bereits eine entsprechende Anfrage an die EU-Kommission gestellt worden, sagte Schäfer-Klug. Üblicherweise werde in solchen Fällen eine Untersuchung eingeleitet. Er betonte, dass Kostenvorteile in der Produktion nicht der Grund für die Entscheidung für Ellesmere Port gewesen sein können. Jährlich sollen dort mindestens 160.000 Fahrzeuge vom Band rollen. "Fakt ist, dass das modernste Werk im Opel/Vauxhall-Verbund – nämlich Rüsselsheim – circa 219 Euro pro Fahrzeug günstiger produziert als Ellesmere Port, und dass die Qualität im Vergleich hervorragend ist."

Der britische Wirtschaftsminister Vince Cable hatte Gerüchte um Subventionszusagen an GM zurückgewiesen. Gleichzeitig räumte er aber eine USA-Reise mit dem Ziel ein, die Standortentscheidung zu beeinflussen. Opel wies die Vorwürfe ebenfalls zurück. Gleichzeitig erinnerte das Unternehmen an "eine Reihe von bestehenden Mechanismen in Großbritannien zur Unterstützung der Industrie". Wenn GM ein neues Produkt in Ellesmere Port ansiedeln würde, könne sich GM wie jeder andere Hersteller auch um solche Mittel bewerben.