Opel-Chef weist Gerüchte über Schließungen zurück

Die Beschäftigten in Bochum haben seit vielen Jahren Angst vor einem Aus für die Fabrik.
© dpa, Franz-Peter Tschauner

28. März 2012 - 11:22 Uhr

Standortsicherung bis Ende 2014 gilt

Opel-Vorstandschef Karl-Friedrich Stracke hat Gerüchte über unmittelbar bevorstehende Werksschließungen in Europa zurückgewiesen. "Wir haben eine klare Standortsicherung bis Ende 2014 und die gilt", sagte er der 'Bild'. Allerdings gelte es, das Geschäft profitabler zu machen. Darüber solle in der Aufsichtsratssitzung am kommenden Mittwoch beraten werden.

Laut einem Bericht des 'Wall Street Journal' will der US-Mutterkonzern General Motors (GM) bei Opel hart durchgreifen, um die defizitäre Tochter aus den roten Zahlen zu führen. Vor allem zwei Werke stünden auf der Kippe: Die Standorte Bochum und Ellesmere Port in England.

Stracke hatte den Mitarbeitern in einem Brief am Freitag versprochen, die Zukunft für Opel zu sichern. Allerdings sei die gesamte Autoindustrie mit einem schwachen europäischen Markt konfrontiert: "Deshalb müssen wir jetzt handeln, um unsere Profitabilität dauerhaft zu verbessern."

Lohnkürzungen nicht ausgeschlossen

Stracke schließt jedoch Lohnkürzungen oder eine Streichung von Zulagen nicht aus: "Wir haben gerade zu Beginn des Jahres 2,7 Prozent Lohnerhöhung gezahlt. Damit sind wir auf IG Metall-Tarifniveau. Ansonsten müssen wir sehen, was die Zukunft bringt." Innerhalb der nächsten "zwei bis drei Monate" würden die Mitarbeiter umfassend über weitere Schritte informiert, sagte er dem Blatt. Stracke setzt auch auf eine Wachstumsoffensive: "Wir investieren über 11 Milliarden (Euro) in neue Produkte, wir wollen bis 2014 über 30 neue Produkte auf den Markt gebracht haben, sechs allein davon in diesem Jahr."

Nach Informationen der WAZ-Mediengruppe gibt es im Bochumer Rathaus Überlegungen, Opels Kostensituation zu verbessern, indem man dem Autobauer zwei ungenutzte - teure - Flächen für einen symbolischen Euro abkauft. Anschließend könnten diese Flächen vermarktet und ein Teil des Erlöses an Opel überwiesen werden, hieß es.

Die Beschäftigten in Bochum haben seit vielen Jahren Angst vor einem Aus für die Fabrik, immer wieder wurde über das rund 50-jährige Werk als Kandidat Nummer eins für einen Kapazitätsabbau spekuliert. Das Werk mit 3.100 Mitarbeitern ist der größte industrielle Arbeitgeber in der Region. Dort werden die Modelle Astra und Zafira sowie Achsen und Getriebe produziert.

Opel hat in Deutschland insgesamt noch etwa 40.000 Mitarbeiter und weitere Werke in Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern. GMs Europageschäft schrieb 2011 knapp 750 Millionen Dollar Verlust. Daher gibt es seit längerem Spekulationen über tiefe Einschnitte.

Deshalb will GM laut einem 'Spiegel'-Bericht seine Kapazitäten in "Niedrig-Kosten-Ländern" erhöhen, um profitabler zu werden. Dabei setze der Autobauer auf Polen, Russland, China, Indien, Mexiko und Brasilien, berichtet das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf ein GM-Strategiepapier. Demnach will der US-Konzern bei steigendem Absatz die zusätzlichen Fahrzeuge zu 80 Prozent in diesen Ländern fertigen.