2018 M12 18 - 21:49 Uhr

Riskanter Eingriff rettete dem kleinen Jan das Leben

Mittlerweile ist der kleine Jan vier Monate alt. Doch seine Eltern mussten lange bangen, ob ihr ungeborener Sohn überhaupt überlebt - denn Jan hat einen Herzfehler. Sie und die Ärzte am Kepler-Universitätsklinikum im österreichischen Linz entschieden sich für einen riskanten Eingriff, um Jan zu retten. Kurz vor der Geburt wurde ihm noch im Mutterleib ein Stent im Herzen eingesetzt. Eine Weltpremiere, die glücklicherweise erfolgreich war.

Baby Jan litt am Hypoplastischen Linksherzsyndrom

Es ist kaum vorstellbar, welche Ängste Jans Eltern ausgestanden haben müssen. In der 19. Schwangerschaftswoche erfuhren sie, dass ihr kleiner Sohn einen Herzfehler hat und nur seine rechte Herzklappe funktioniert. Bei Jan wurde das sogenannte Hypoplastische Linksherzsyndrom diagnostiziert, bei dem die Herzklappen zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer und zwischen linker Herzkammer und Aortenklappe verschlossen oder extrem verengt sind. Deshalb konnte seine Körperschlagader nicht direkt mit sauerstoffreichem Blut versorgt werden.

Im Krankenhaus in Salzburg räumten sie dem Baby keine Chancen ein, länger zu überleben, erzählte seine Mutter Christine Raffelsberger (32) aus Pinsdorf der "Krone Zeitung".

Im Linzer Kepler Universitätsklinikum glückte der Eingriff

Jans Rettung war das Kinderherz-Zentrum im Linzer Kepler Universitätsklinikum (KUK). Ein Ärzteteam um den Kinderkardiologen Dr. Gerald Tulzer und den Pränataldiagnostiker Dr. Wolfgang Arzt führte dort einen weltweit bisher einzigartigen Eingriff durch. Sechs Tage vor der Entbindung setzten sie Jan mit einer Hohlnadel einen neun Millimeter langen und drei Millimeter dicken Stent ins Herz ein, der den Blutfluss gewährleistete: "Dadurch wurde eine Verbindung zwischen den beiden Vorhöfen hergestellt und so bereits vor der Geburt ein ausreichender Abfluss des sauerstoffreichen Blutes aus der Lunge gesichert", erklärte Dr. Wolfgang Arzt in einer Pressekonferenz.

Jans Eltern hatten nur zwei, drei Tage Zeit, sich für diesen riskanten Schritt zu entscheiden, der ihr Baby letztlich retten sollte. "Wir haben es so hingenommen", erzählte Christine Raffelsberger bei der Pressekonferenz. Und es war die richtige Entscheidung.

Zwar dauerte der Eingriff selbst nur rund eine halbe Stunde, hier war aber ein Maximum an Können und Geschick gefordert: Unter Ultraschall mussten die Ärzte haargenau mit einer Nadel durch die Bauchdecke seiner Mutter in das Herz des kleinen Jan manövrieren, um dort den Stent einsetzen zu können. Dabei mussten sie auch die Bewegungen einkalkulieren, die das Baby im Fruchtwasser schwimmend machte.

Dr. Gerald Tulzer: Diese Risiken gab es bei dem Eingriff

Baby Jan mit seinen Eltern und den Ärzten
Jan ist mittlerweile vier Monate alt und entwickelt sich gut.
© Kepler Universitäts Klinikum

Bei dem Eingriff bestand vor allem das Risiko, dass die Einstichstelle in Jans Herz zu bluten beginnt oder er eine Herzrhythmusstörung bekommt, so Dr. Gerald Tulzer gegenüber RTL. Im schlimmsten Fall hätte das Baby im Mutterleib sterben können. Um im Notfall direkt reagieren zu können, hatte das Ärzteteam für sämtliche möglichen Komplikationen vorgesorgt. "Bei Eingriffen knapp vor der Geburt besteht immer die Bereitschaft für einen akuten Kaiserschnitt, sollten sich nicht behandelbare Komplikationen ergeben", erklärt Dr. Tulzer.

Der Kinderkardiologe und der Pränatalmediziner, beides Ärzte mit jahrzehntelanger Erfahrung, mussten hier perfekt kooperieren, um den Eingriff bei Baby Jan erfolgreich und mit möglichst geringem Risiko durchführen zu können.

Der kleine Jan wird ein fast normales Leben führen können

Und der Eingriff glückte: Jan kam sechs Tage später per Kaiserschnitt zur Welt und musste wegen des eingesetzten Stents nicht intensivmedizinisch betreut werden. Eine knappe Woche nach seiner Geburt wurde er am Herzen operiert, wenig später noch ein zweites Mal. Ein Eingriff ist noch nötig, dann wird er laut seinen Ärzten ein "fast normales Leben führen können". Sein Herz ist natürlich nicht so belastbar wie das von anderen Kindern. Aber Jan hat sich dank der großen Leistung der Ärzte trotzdem zu einem fröhlichen, zufriedenen Baby entwickelt.

Noch nie wurde ein solcher Eingriff so kurz vor der Geburt gewagt

Der Eingriff ist laut dem Linzer Universitätsklinikum weltweit der erste dieser Art, der so kurz vor der Geburt durchgeführt wurde. In den USA und Kanada habe es zwar schon Versuche von Stentimplantationen im Mutterleib gegeben, allerdings fanden diese nie so kurz vor der Entbindung statt. Das Kinderherz-Zentrum am KUK ist das europaweit größte und weltweit zweitgrößte Zentrum für pränatale Herzeingriffe.