Online-Dining: Korea schaut anderen im Internet beim Essen zu

Online-Dining: Die Ess-Show für einsame Koreaner
Online-Dining: Die Ess-Show für einsame Koreaner
© REUTERS, KIM HONG-JI

23. Februar 2016 - 8:45 Uhr

Online-Esserin ist Tischgenossin der Einsamen

Seo-Yeon Park nennt sich 'Die Frau, die für ihr Leben gern isst'. Sie verdient ihr Geld mit einem seltsam anmutenden Geschäftsmodell: Sie isst im Internet vor laufender Kamera. Jeder kann der Koreanerin also beim Essen zusehen, muss aber dafür bezahlen.

Und dass das funktioniert, beweist ihr Einkommen: rund 7.000 Euro nimmt Frau Park mit 'Essen vor der Kamera' ein. Und sie ist in Korea nicht die Einzige, die diesen Service anbietet: Rund 3.500 Online-Dining-Shows werden täglich von Koreanern angeboten. Ein Teil davon wird von Restaurants gesponsert, aber die meisten Ess-Events sind Privat-Initiativen.

Ess-Peepshows sehr beliebt

Was treibt die Koreaner in solche 'Ess-Peepshows'? Experten sehen den Trend als Ausdruck des rapiden Wandels der koreanischen Gesellschaft. Immer mehr Menschen sitzen allein am Tisch und fühlen sich dabei unbehaglich. Der Computer-Bildschirm schafft die Illusion eines Gegenüber und damit auch einer Familie oder zumindest eines Gesprächspartners.

Das helfe Alleinlebenden, die sich nach Gemeinschaft sehnen, erklären koreanische Soziologen das Phänomen, aber auch Menschen, die wegen einer Krankheit ans Bett gefesselt sind.

Denkbar sind auch noch weitere Motive für den Erfolg des Mit-Esser-Angebots: Frau Park berichtet von Dankschreiben, die Magersüchtige ihr geschickt hätten. Auch andersherum scheint es zu funktionieren: Eine Frau habe ihr geschrieben, sie hätte acht Kilo abgenommen. Dabei habe ihr die Ess-Show geholfen. Sie stelle sich vor, sie würde stellvertretend für sie essen