Absage wäre Milliarden-Verlust

Olympia-Wahnsinn in Tokio: Erst Corona-Ausnahmezustand, dann Sommerspiele?

Sport Themen der Woche KW49  Reinstallation of Olympic rings in Tokyo Bay The Olympic rings glow in the dark after being reinstalled in Tokyo Bay off Odaiba Marine Park on Dec. 1, 2020, after they underwent a safety inspection and maintenance. The ri
Japan und das IOC halten weiterhin an den Plänen fest, die Olympischen Spiele 2021 in Tokio auszutragen.
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Infektionszahlen in Japans Hauptstadt steigen dramatisch

Japans Hauptstadt Tokio steuert auf einen Corona-Ausnahmezustand zu. Dieser soll wohl ausgerufen werden, weil die Infektionszahlen in der Metropole steigen. Erstmals wurden mehr als 1.500 Menschen an einem Tag positiv auf COVID-19 getestet (1.591). Am Donnerstag soll darüber entschieden werden, ob erneut der Ausnahmezustand für die Region ausgerufen wird. Allerdings: An den Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele im Sommer soll dies nichts ändern – die Maßnahmen laufen weiter, wie Japans Regierungschef Yoshihide Suga erklärte.

IOC will Spiele nicht absagen

Vom 23. Juli bis zum 8. August sollen die Spiele in Tokio stattfinden. Ein Plan, der in der aktuellen Situation wohl für viele Sportler und Fans noch unvorstellbar erscheint.

Doch IOC-Präsident Thomas Bach hatte zuletzt Ende 2020 bei seinem Besuch in Japan nochmals bekräftigt, dass eine Olympia-Absage derzeit nicht zur Debatte steht. Es geht schließlich auch um Milliarden.

Milliarden an Zusatzkosten für Organisatoren, Stadt und Land

Der Geschäftsführer des Organisationskomitees, Toshiro Muto, hatte erklärt, dass allein die Verschiebung und die notwendigen Corona-Sicherheitsmaßnahmen Zusatzkosten in Höhe von rund 2,3 Milliarden Euro verursachen. Ein Wahnsinn.

Verteilt werden die Kosten auf die Organisatoren, das Land und die Stadt Tokio. Doch gerade die Metropole hat aktuell ganz andere Sorgen. Dort droht vor allem die Überlastung des Gesundheitssystems durch die steigenden Corona-Zahlen.

Einen Lockdown wie bei uns in Deutschland gab es in Japan bisher nicht. Vielmehr bedeutet der Ausnahmezustand, dass u.a. Restaurants und Bars aufgerufen werden, früher zu schließen und die Bewohner gebeten werden, von zuhause zu arbeiten. In Japan setzt man auf Freiwilligkeit – dass allerdings 2020 rund 75 Prozent der Einwohner des Landes gegen Olympia 2021 stimmten, führte weder die Regierung noch die Organisatoren zum freiwilligen Umdenken.

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Flächendeckende Impfung bis zu den Spielen unrealistisch

Auch das Thema „Impfung vor den Spielen“ muss unter den aktuellen Vorzeichen nochmal überdacht werden. Im November noch hatte beispielsweise Deutschlands Speerwerfer Johannes Vetter erklärt, dass er davon ausgehe, dass sich viele Sportler vor den Spielen gegen Corona impfen lassen.

Allerdings: In Deutschland herrscht aktuell noch ein akuter Mangel an Impfstoff. Bis allein die erste Risikogruppe um Senioren, Pflegekräfte und Ärzte geimpft ist, wird es noch dauern.

Dass womöglich Deutschlands Sportler den Vorzug bekommen könnten, nur um an Olympischen Spielen in Japan teilnehmen zu können? Es wäre eine Gedankenspielerei, die in der Bevölkerung wohl auf ganz wenig Akzeptanz stoßen würde.