Folgen, Kosten, Quali-Probleme

Olympia-Verschiebung: Die wichtigsten Fragen und Antworten

A large display promoting the Tokyo 2020 Olympics is seen in Tokyo, Japan on March 25, 2020, a day after the Tokyo 2020
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25. März 2020 - 16:22 Uhr

Kein Olympia im Jahr 2020

Die Würfel sind gefallen: Die Olympischen Spiele finden in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie nicht statt. Die Folgen und Auswirkungen sind enorm. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

Wann finden die Olympischen Spiele in Tokio denn jetzt statt?

Das steht nach der Verschiebung weiterhin nicht fest. Eine Task Force des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) mit dem Namen 'Here we go' werde laut Präsident Thomas Bach ab Donnerstag über die Frage beraten, welche Optionen es gibt. Eine Lösung solle so schnell wie möglich her. "Aber erste Priorität hat die Qualität dieser Entscheidung", sagte Bach. Die Spiele könnten etwa auch im Frühling stattfinden.

Welche Auswirkungen hat die Verschiebung für die TV-Anstalten?

An der Situation der Olympia-Übertragungsrechte hat sich für alle Beteiligten nichts geändert. Discovery, die Muttergesellschaft von Eurosport, ist der Rechteinhaber, ARD und ZDF hatten sich Sublizenzen gesichert. Alle Sender stehen natürlich vor einer Herausforderung, aber auf viele schon getätigte Planungen und Produktionsthemen kann aufgebaut werden. Entscheidend sind am Ende aber natürlich die Details der Verschiebung.

Welche Events beeinflusst die Olympia-Verschiebung besonders stark?

Eigentlich stehen 2021 in zwei der größten olympischen Sportarten Weltmeisterschaften auf dem Programm - bei den Leichtathleten (6. bis 15. August in Eugene/Oregon) und Schwimmern (26. Juli bis 1. August im japanischen Fukuoka). Bei beiden Events zeichnet sich eine Verschiebung ab. Sollten beide Veranstaltungen auf 2022 ausweichen, gäbe es einen weiteren Konflikt mit den European Championships 2022 in München. Die Macher von Olympia 2024 in Paris halten übrigens an ihrem Termin in vier Jahren fest.

Warum werden die Spiele nicht in "Tokio 2021" umbenannt?

Es wurden unter anderem bereits Tausende Merchandising-Artikel mit dem geplanten Logo entworfen, gedruckt oder hergestellt - darunter auch die rund 5000 Medaillen für die Sportler, die teilweise aus recyceltem Elektroschrott produziert wurden. Eine Umbenennung wäre deshalb Verschwendung und vor allem teuer.

Was bedeutet die Verschiebung für den Qualifikationsprozess?

Das ist noch unklar. Viele Athleten hatten sich bereits für die Wettkämpfe in diesem Jahr qualifiziert - wird diese Qualifikation aufgehoben, oder müssen sie sich noch einmal ihre Teilnahmeberechtigung erkämpfen? Fraglich auch, ob die in diesem Jahr startberechtigten Fußballer, also etwa auch die deutschen, im kommenden Jahr noch mitspielen dürfen, wenn sie dann die Altersgrenze überschritten haben.

Läuft der Anti-Doping-Kampf eigentlich normal weiter?

Nein. Der weltweite Ausnahmezustand ermöglicht es Dopingsündern momentan eher, unerkannt zu bleiben - viele Athleten machen sich deshalb große Sorgen. Die Welt-Anti-Doping-Agentur versucht, "die Effekte der Unterbrechungen des geplanten Programms abzumildern." Das weltweite Anti-Doping-System soll nach dem Ende der Krise so schnell wie möglich wieder leistungsfähig sein.

Welche Kosten kommen auf Japan zu?

Immense. Auch wenn die Zahlen je nach Quelle schwanken, sind sie atemraubend. Ende 2019 rechneten die Macher in Tokio nach offiziellen Schätzungen mit Gesamtkosten von rund 12,6 Milliarden US-Dollar (11,6 Milliarden Euro), allein japanische Unternehmen steckten bisher etwa 3,3 Milliarden US-Dollar ins Sponsoring der Spiele. Manche Experten glauben allerdings auch, dass die Zahlen noch deutlich größer sind, bis hin zum Zehnfachen. Japanische Wirtschaftswissenschaftler rechneten zuletzt vor, dass eine Verschiebung das Land zwischen fünf und 25 Milliarden US-Dollar kosten würde. Was mit den bereits 4,5 von 7,8 Millionen verkauften Tickets passiert, ist noch unklar.

RTL.de/sid

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