Oliver Bierhoff kündigt an: Neuer Spielstil unter Joachim Löw

© dpa, Ina Fassbender, ina fdt

6. Juli 2018 - 14:27 Uhr

Teammanager Oliver Bierhoff: "Einschnitte auf allen Ebenen"

Es ist das Ende einer Ära: Der Ballbesitzfußball, mit dem zunächst Spanien und dann Deutschland die Fußballwelt beherrscht hatten, hat seinen Zauber verloren. Eine Erkenntnis, die auch in den Köpfen des DFB angekommen zu sein scheint. "Es muss Einschnitte auf allen Ebenen geben", sagte Teammanager Oliver Bierhoff der "Welt" und kündigte einen Neustart unter Bundestrainer Joachim Löw an: "Ich weiß, er wird alles hinterfragen, auch unseren Spielstil. Und dann stellt sich die Frage, welche Spieler wir brauchen. Gehen Sie davon aus, dass die Mannschaft ein neues Gesicht bekommen und zeigen wird."

Stabile Defensive und Eins-gegen-Eins in der Offensive

ARCHIV - 02.06.2018, Österreich, Klagenfurt: Fußball: Länderspiele, Österreich - Deutschland im Wörthersee Stadion. Xaver Schlager (l) aus Östrreich versucht den Schuss von Leroy Sane (r) aus Deutschland zu verteidigen.  Der Ruf nach radikalen Veränd
Leroy Sané könnte ein Gesicht des Umbruchs werden.
© dpa, Johann Groder, luk fdt

Aber was genau bedeutet das? Bei der WM ist eins zu beobachten: Teams, die sich stundenlang den Ball hin und her schieben, in Handballermanier den Strafraum umkreisen und die Lücke suchen, scheitern damit kläglich. Die Gegner haben sich darauf eingestellt, begegnen diesen Mannschaften mit einer robusten Defensive und schlagen mit schnellen Gegenstößen zurück.

Ein Beispiel: Brasilien hat dies erkannt und operiert mit einer stabilen Abwehr. Mit nur einem Gegentor hat die Selecao bisher die wenigsten Gegentore der WM kassiert. Im Mittelfeld bringen zwei Verbindungsspieler den Ball nach vorne, wo es Turbo-Dribbler wie Neymar, Willian und Coutinho auch mal im Eins-gegen-Eins richten.

Die Frage, die sich Löw nun stellen muss, ist mit welchen Spielern er ein ähnliches System umsetzen kann. Der vor der WM verschmähte Leroy Sané wäre sicherlich ein Kandidat. Auch Julian Brandt oder Timo Werner ist dies zuzutrauen. In der Warteschleife stehen Spieler wie Serge Gnabry oder Nadiem Amiri.

Dass Löw der richtige Mann für diese Veränderungen ist, liegt zumindest für Bierhoff auf der Hand: "Jogi hat nicht nur die Energie, die Bereitschaft und den Willen, die richtigen Schritte einzuleiten und umzusetzen, er hat dafür auch unbestritten die Fähigkeiten und die Kompetenz."

Mehmet Scholl fordert Umdenken in der Ausbildung

NUREMBERG, GERMANY - APRIL 23:  Coach Mehmet Scholl of Muenchen reacts at  on April 23, 2013 in Nuremberg, Germany.  (Photo by Karina Hessland/Bongarts/Getty Images)
Mehmet Scholl hat die Methoden des DFB schon vor Monaten kritisiert.
© Bongarts/Getty Images, Bongarts

Aber nicht nur bei der Nationalmannschaft ist ein Umbruch erforderlich. Auch in der Ausbildung des deutschen Nachwuchses muss etwas getan werden.

Mehmet Scholl hat die Probleme schon vor Monaten kommen sehen. "Die Kinder müssen abspielen, sie dürfen sich nicht mehr im Dribbeln ausprobieren. Sie bekommen auch nicht mehr die richtigen Hinweise, warum ein Pass oder ein Dribbling nicht gelingt. Stattdessen können sie 18 Systeme rückwärts laufen und furzen", fluchte der ehemalige Nationalspieler. Die Trainerausbildung beim DFB sei eine "elfmonatige Gehirnwäsche".