„Schwedische Familienbande“ von Marianne Cedervall im Check

Oldschool-Krimi aus Schweden: Pfarrer ermittelt in verschneitem Dörfchen

Marianne Cedervall: Schwedische Familienbande. Ein Fall für Pfarrer Samuel Williams.
Marianne Cedervall: Schwedische Familienbande. Ein Fall für Pfarrer Samuel Williams.
© DuMont Buchverlag

06. Dezember 2021 - 13:32 Uhr

Einen schönen Gruß an Pater Brown

Ein Mann Gottes, der zum Ermittler in einem Mordfall wird – kennt man das nicht irgendwoher? Schwarzweiße Bilder beginnen, im Kopf herum zu flackern, irgendwo da, wo sich die Kindheitserinnerungen befinden. Heinz Rühmann im Talar, da war doch was? Richtig G. K. Chestertons Kurzgeschichten um Pater Brown, der es einfach nicht lassen konnte, seine Nase in Dinge zu stecken, die ihn nichts angingen. So geht es auch dem schwedischen Pfarrer Samuel Williams in Marianne Cedervalls Kriminalroman "Schwedische Familienbande". Zwar nimmt sie eine bekannte Idee auf, doch haben sich die Zeiten in den vergangenen hundert Jahren geändert. Darüber hinaus möchte Cedervall den Krimi auch gar nicht neu erfinden, wie sie im Nachwort schreibt. Aber sie verleiht ihm einen eigenen Charme. Und mit dem Auftakt zur Serie um den neugierigen Pfarrer ist ihr darüber hinaus ein sehr schöner Weihnachtskrimi gelungen.

Von Tobias Elsaesser

Worum geht es?

Schweden im tiefsten Winter. Nur widerwillig tritt der ehemalige Großstadtpfarrer Samuel Williams seine neue Stelle in dem verschlafenen Dörfchen Klockarvik an. Doch der Schein trügt: Schon kurz nach seiner Ankunft stößt der Geistliche auf die Leiche des Hotelbesitzers Finn Mats Hansson – und Verdächtige gibt es zuhauf! (Auszug Klappentext)

In bester Manier des "Goldenen Zeitalters des Kriminalromans" führt Cedervall uns durch eine ruhige und doch spannende Ermittlung, in der so manches lang und gut gehütete Geheimnis der eigenwilligen Dorfgemeinschaft gelüftet wird. Und während einige Bewohner mit den Schatten ihrer Vergangenheit zurechtkommen müssen, kämpft Samuel mit den nicht ganz so gottesfürchtigen Seiten seines Charakters. So sehr er es auch versucht, so wenig kann er verbergen, dass er lieber einen besseren Job in einer größeren Stadt hätte – die Stelle in Klockarvik empfindet er als Rückschritt in seiner Karriere und für sich nicht angemessen. Zudem hadert er mit der Kälte. Die den Temperaturen angemessene Kleidung entspricht nicht seinen Vorstellungen von Mode. Er ist ein wenig eitel und arrogant. Außerdem ist er geschieden und "lebt in Sünde" mit seiner Lebensgefährtin, der Vikarin Marit, die allerdings nicht mit ihm in das Dorf zieht, denn es soll ja nur ein vorübergehender Job sein. Da lauert jedoch das nächste Problem: Samuel ist äußerst empfänglich für die Reize des weiblichen Geschlechts und dummerweise ist die ermittelnde Kommissarin Maja-Sofia Rantatalo eine äußerst intelligente und attraktive Frau. Und so ist Samuel bald ziemlich im Stress: Er muss versuchen, Verbindungen zu den Dorfbewohnern zu knüpfen, geht privaten Ermittlungen nach und ab und an auch seiner Arbeit. Zwischenzeitlich findet sich immer wieder in Zwiegesprächen mit seinem "Boss", dem Allmächtigen, wieder, den er wiederholt um Rat, Stärke und Beistand anfleht, damit er nicht dem Charme von Kommissarin Rantatalo verfällt. Diese ist anfangs ziemlich genervt von den Ermittlungs- und Kontaktversuchen des Pfarrers, bis die Umstände sie schließlich zwingen, mit ihm zusammenzuarbeiten.

Kurzweiliges Leseerlebnis garantiert

Cedervall ist ein unterhaltsamer Krimi gelungen. Neben den Ermittlungen liegt der Fokus auf den Versuchen des Pfarrers, sich notgedrungen in die zuweilen skurrile und sehr eigenwillige Dorfgemeinschaft einzuleben und die Ordnung seines Liebeslebens aufrecht zu erhalten. Eine ausgewogene Mischung, die ein kurzweiliges Leseerlebnis und somit willkommene Entspannung in der manchmal hektischen Vorweihnachtszeit garantiert.