Olaf H. widerruft Teile seines Geständnisses

09. Februar 2016 - 13:48 Uhr

Anwalt: Keine "sexuelle Motivation"

Das Leid für die Eltern des ermordeten Mirco nimmt kein Ende: Jetzt, knapp zwei Wochen vor Prozess-Beginn, will der mutmaßliche Mörder ihres Sohnes sein Geständnis teilweise widerrufen.

Mircos mutmaßlicher Mörder widerruft Geständnis
Kurz vor Prozessbeginn will Mircos mutmaßlicher Mörder Olaf H. Teile seines Geständnisses widerrufen.
© dpa, Polizei

Vergangenen September soll Olaf H., selbst Vater von drei Kindern, den zehnjährigen Mirco entführt, missbraucht und ermordet haben. Nach seiner Festnahme legte er ein umfassendes Geständnis ab. Die sexuelle Motivation bestreitet er jetzt aber, so sein Anwalt.

Olaf H. hatte bereits alles zugegeben: die Entführung, den Missbrauch und den Mord an Mirco. Kurz vor Prozessbeginn leugnet er aber plötzlich einen Teil der Anklage. "Die sexuelle Motivation streitet er ab", so sein Anwalt.

Strafverteidiger Uwe Krechel, sieht in darin vor allem Taktik für den Prozess: "Sehr oft wird so etwas gebracht, um dem einen spektakulären Rahmen zu geben oder aus Sicht des Täters, um sein eigenes schuldhaftes Verhalten zu minimieren. Aber die Frage ist: Bringt das was? Meistens tobt es sich irgendwo in der Motivlage aus. Und das führt nicht zu großen Änderungen."

Wird Olaf H. verurteilt, droht ihm eine lebenslange Haftstrafe, Sicherungsverwahrung und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. In dem Fall würde er wohl nie wieder auf freien Fuß kommen.

Eltern leiden sehr unter den Entwicklungen

Psychologe Dr. Dirk Baumeier sieht bei dieser Entwicklung vor allem die Eltern in einer erneuten Opferrolle: "Wenn man jetzt beobachtet, dass der Täter schon gemachte Geständnisse zurücknimmt, nun möglicherweise auch noch andere Dinge leugnet, dann ist das für die Eltern eine zweite Traumatisierung."

Auch weitere Details, die während des Prozesses veröffentlicht werden, können die Eltern weiter traumatisieren: "Wir haben ihnen klar gemacht, dass es für sie ein schwerer Gang sein wird. Zusammen mit der Rechtsanwältin werden sie detailliert darauf vorbereitet, was da auf sie zukommt und wie emotional das sein wird", so der Mönchengladbacher Polizeihauptkommissar Willy Theveßen.

Mirco war im September 2010 verschwunden. Die Suche nach dem Jungen bewegte ganz Deutschland. Erst Ende Januar, fast fünf Monate nach Mircos Verschwinden, führte Olaf H. die Ermittler zur Leiche des Kindes.