Ohne Zuwanderung fehlen Europa zukünftig Arbeitskräfte

Den Ländern der EU wird es ohne Migration bald an Arbeitskräften mangeln.

03. September 2012 - 16:27 Uhr

OECD-Studie: Integration enorm wichtig

Vom demographischen Wandel werden viele bereits gehört haben. Unsere Bevölkerung verändert sich: Immer mehr alte Leute müssen von immer weniger jungen versorgt werden. Auch, dass dadurch die Zahl der arbeitsfähigen Bevölkerung sinkt, dürfte vielen nicht neu sein. Doch dass Migration dabei helfen kann, dieser Entwicklung entgegenzuwirken, ist ein Aspekt, der oft vernachlässigt wird.

Bis 2020 wird die EU 2,5 Millionen Arbeitskräfte verlieren, in den 2020ern sogar viermal so viele. Die Zahl der 25- bis 34-Jährigen wird in den nächsten 20 Jahren um 20 Prozent sinken, die der 55- bis 64-Jährigen um 12 Prozent steigen. Über 60 Prozent der Immigranten sind zwischen 18 und 32 Jahre alt, so die Zahlen der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung).

Diese Zahlen machen deutlich: Durch Migration lässt sich die niedriger werdende Zahl der arbeitsfähigen Bevölkerung senken. Bereits bis 2015 wird die Zahl der Menschen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, heftig sinken. Dadurch, dass durch den Geburtenrückgang auch die Zahl der jungen Hochschulabsolventen in der EU abnimmt, brauchen wir Migranten, die die fehlenden Arbeitskräfte ersetzen.

Von besonderer Bedeutung ist dabei laut OECD-Studie die Integration, denn nur wer gut integriert ist, kann gute Arbeit leisten. Auch der adäquate Einsatz der Arbeitnehmer und ihr voller Einsatz dürfen nicht vernachlässigt werden. So dürfe es zum Beispiel nicht vorkommen, dass ein gut ausgebildeter Ingenieur als Taxifahrer eingesetzt wird. Dies käme einer Verschwendung von Ressourcen gleich.

Zur Gefahr werden könnte die sinkende Zahl der potenziellen Arbeitnehmer auch für die EU-Politiker. Sie müssen sehen, dass sich die heruntergehenden Arbeiterzahlen nicht negativ auf den Wohlstand der Länder auswirken, den diese sich über die letzten Jahrzehnte erarbeitet haben.

Auch hier spielt die Zu- und Abwanderung eine wichtige Rolle. Die Menschen im erwerbstätigen Alter werden so wenig sein, dass die Kapazität der offenen Migration voll ausgenutzt werden muss. Zudem müssen über das Jahr 2020 hinaus eine bessere Ausbildung gefördert, Innovationen angetrieben, in Forschung und Entwicklung investiert und Armut und soziale Ausgrenzung reduziert werden.

Die Mobilität der Arbeitskräfte als entscheidender Faktor

Die Migration ist besonders für die 15 alten EU-Mitgliedsstaaten (wie zum Beispiel Deutschland, Frankreich, Italien und Holland) von besonderer Bedeutung, da dort die demographische Entwicklung am stärksten ist. Es sind Unterschiede hinsichtlich Demographie, Migration und Ausbildung zwischen alten und neuen EU-Mitgliedsstaaten (wie zum Beispiel Rumänien, Tschechien oder Polen) vorhanden, wobei die Abhängigkeit von Zu- und Abwanderung, um die aktive Altersgruppe bei ihrer aktuellen Größe zu halten, in den neuen sehr viel geringer ist als in den alten. Dies liegt in der schneller und stärker ansteigenden Alterung der Bevölkerung der alten Mitgliedsstaaten begründet.

Die Heterogenität der Mitgliedsstaaten hinsichtlich Migration und Ausbildung ist hierbei von immenser Bedeutung. Sie macht es den Migranten einfacher, von einem Land in ein anderes zu ziehen und dort zu arbeiten. Die Mobilität der Arbeiter, also deren Freiheit, ihre Arbeit dort auszuüben wo sie möchten, ist deshalb so wichtig, weil es immer noch eine räumliche Diskrepanz zwischen potenziellen Arbeitnehmern und -gebern gibt. Während gut ausgebildete Ingenieure in einem EU-Land händeringend gesucht werden, hat ein anderes diese im Überfluss. Durch die Mobilität kann das Potenzial voll ausgeschöpft werden, allerdings nur mit der Bereitschaft der Arbeitnehmer, Ort oder sogar Land für ihre Arbeit zu wechseln.

Quelle:

OECD (2012), Free Movement of Workers and Labour Market Adjustment: Recent Experiences from OECD Countries and the European Union, OECD Publishing.