Bauernpräsident in Sorge

Oft fehlt ein Nachfolger: Sterben die Bauernhöfe bald aus?

Oft fehlt Nachfolger: Sterben die Bauernhöfe bald aus? (Symbolbiild Traktor)
© dpa, Marcel Kusch

13. Oktober 2020 - 9:08 Uhr

Ländliche Idylle war einmal

Als Kind war ich häufig auf dem Bauernhof meiner Verwandten zu Gast. Mein Vater wuchs dort auf und einen Teil seines Urlaubs verbrachte er später immer noch dort, um beim Einfahren der Ernte zu helfen. Für mich als kleiner Junge aus der Stadt war es eine Idylle: Katzen streunten über den Hof, ärgerten den Hund und aus den Ställen drang das Muhen der Kühe, das Quieken der Schweine, das Wiehern der Pferde und das Gackern der Hühner. Die Luft war frisch, auch wenn sie manchmal diese eigenartige Note hatte, die wohl dem riesigen Misthaufen in der Mitte des Hofes geschuldet war.

Bauernpräsident Joachim Rukwied in Sorge

Vor drei Jahren war ich das letzte Mal da. Der Hof war blitzblank, es war eigenartig ruhig, keine landwirtschaftlichen Geräte zu sehen, die Ställe waren nun Wohnhäuser, das Land verpachtet. Nur der Traktor stand an seiner gewohnten Stelle, immer noch funktionstüchtig, aber außer Dienst. Ein seltenes Stück, ein Oldtimer, im Grunde eine Wertanlage.

Dieses Schicksal droht mittlerweile vielen Betrieben. Konkurrierten früher teils noch viele Verwandte darum, den Hof vom Vater oder Onkel zu übernehmen, reißen sich heute kaum noch jüngere Leute darum, den Betrieb weiterzuführen. Bauernpräsident Joachim Rukwied ist deswegen in Sorge. Im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte er: "Wir steuern derzeit auf eine Entwicklung hin, wo der Strukturwandel an Fahrt aufnimmt. Ein großer Teil der Betriebsleiter stammt aus der Babyboomer-Generation. Die gehen also in den kommenden zehn Jahren in Rente."

Rukwied: "Da passt derzeit einfach vieles nicht zusammen"

Auf vielen Höfen stelle sich deshalb derzeit die Frage, ob die Kinder den Betrieb weiterführen wollen. "Es kommt gerade einiges zusammen, was dagegen spricht", sagte Rukwied. Er verwies auf steigende Anforderungen an die Produktion von Lebensmitteln bei gleichzeitig anhaltender gesellschaftlicher Kritik an der Landwirtschaft. Zudem stünden deutsche Landwirte auf dem Weltmarkt in Konkurrenz.

Laut Statistischem Bundesamt gab es in Deutschland 2019 noch etwa 266.550 landwirtschaftliche Betriebe. 2010 waren es noch fast 300.000. "Da passt derzeit einfach vieles nicht zusammen", sagte Rukwied, der am Freitag auf der Mitgliederversammlung des Bauernverbandes zur Wiederwahl steht.