Obwohl sie helfen wollen:

Rettungskräfte werden immer häufiger Opfer von Gewalt

18. Februar 2021 - 18:19 Uhr

Sanitäter Tobias wollte nur helfen...

Rettungssanitäter haben es nicht leicht. Zum einen haben sie einen extrem anspruchsvollen Job, den sie zu jeder Tages- und Nachtzeit ausüben müssen, zum anderen bleibt die Dankbarkeit leider oft aus. Als wäre das nicht schon schlimm genug, werden die Berufshelfer absurderweise immer wieder mit Gewalt konfrontiert. Wir haben mit dem Offenbacher Rettungssanitäter Tobias Filler gesprochen – auch er musste schon Gewalt erfahren. Im Video berichtet er von seinen Erlebnissen.

Tobias ist leider kein Einzelfall

Leider ist Tobias nicht der einzige Rettungssanitäter, der in seinem Job mit Gewalt konfrontiert wird. Laut einer aktuellen Umfrage des Deutschen Roten Kreuzes unter seinen Sanitätern hat von den Teilnehmern jeder mindestens einmal Gewalt erlebt. Besonders erschreckend: In vier von fünf Fällen greifen die Menschen die Sanitäter an, obwohl diese ihnen eigentlich helfen wollten.

Auch Erik Brumm vom Personalrat der Frankfurter Feuerwehr beobachtet einen Anstieg der Gewalt gegen Rettungskräfte. Uns erzählt er: "Erschreckenderweise wird es immer heftiger. Die Kollegen berichten davon, dass sie selbst in Alltagssituationen den eigentlich ihnen zustehenden Respekt nicht mehr bekommen."

Warum wird der Ton immer rauer?

Laut Udo Bangerter, Pressesprecher des DRK-Landesverbandes Baden-Württemberg, gibt es mehrere Gründe dafür, warum Rettungskräfte immer wieder angegangen werden.

Zum Einen gebe es eine unrealistische Erwartungshaltung gegenüber dem Rettungsdienst. Wo ist bitte der Notarzt, den ich bestellt habe? – diese Frage schallt den Sanitätern oft als erstes entgegen. "Wer einen Notarzt ruft, ist der Meinung, dass dieser dann auch drei Minuten später da zu sein hat – egal ob es sich um einen eingewachsenen Fußnagel oder einen Herzinfarkt handelt", berichtet der DRK-Sprecher. Darüber hinaus sind bei den Verletzten nicht selten Alkohol oder Drogen im Spiel, was die Gewaltbereitschaft zusätzlich fördert.