Özdemir will keinen großen Empfang für Erdogan in Deutschland: "Kein normaler Präsident"

29. Juli 2018 - 19:13 Uhr

Offizieller Staatsbesuch im September geplant

Trommelwirbel, Staatsbankett, militärische Ehren: All das wird der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bekommen, wenn er im September zu einem offiziellen Staatsbesuch nach Deutschland kommt. Vor allem aus der Opposition hagelt es Kritik: Der türkische Präsident sei kein normaler Präsident in einer Demokratie, so Grünen-Politiker Cem Özdemir. Auch die AfD lehnt den Besuch ab.

Özdemir: "Kein normaler Präsident in einer Demokratie"

Laut "Bild"-Zeitung will Erdogan im Herbst zu einem Staatsbesuch nach Deutschland kommen. Die Bundesregierung hat das bislang nicht offiziell bestätigt. Zwar hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Erdogan per Telefon zu einem Besuch in Deutschland eingeladen. Doch eine Visite bei Freunden wie zu früheren Zeiten sieht anders aus. Spätestens seitdem in der Türkei deutsche Staatsbürger wegen angeblicher Terrorpropaganda eingesperrt werden und Erdogan Merkel Nazi-Methoden vorwarf, ist das Verhältnis zwischen Erdogan und Angela Merkel deutlich abgekühlt. Doch die beiden brauchen einander.

Bei dem Besuch von Erdogan darf nach Meinung von Cem Özdemir nicht um den heißen Brei herumgeredet werden. Erdogan sei "kein normaler Präsident in einer Demokratie" und solle deshalb auch nicht so empfangen werden, sagte Özdemir den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Man könne sich seine Gäste nicht immer aussuchen, aber ihm müsse "unmissverständlich klar gemacht werden, dass der Versuch, hier türkisch-nationalistisch-fundamentalistische Parallelstrukturen aufzubauen, nicht geduldet wird".

Weidel wirft Erdogan "Instrumentalisierung des Fußballs" vor

Kritik am Erdogan-Besuch gibt es auch von der AfD. Gerade in der Debatte um den Rücktritt von Nationalspieler Mesut Özil wirft die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel Erdogan eine "dreiste Instrumentalisierung des Fußballs" vor. Es komme auch "nicht in Frage, dass Erdogan gestattet wird, in Berlin eine weitere Propagandashow abzuziehen, um aus der Türkei stammende Bürger und Einwohner unseres Landes gegen Deutschland und die deutsche Gesellschaft aufzuhetzen", argumentierte Weidel weiter. "Herr Erdogan soll zu Hause bleiben."

Ein-Mann-Herrschaft in der Türkei

Die Visite wäre Erdogans erste bei uns, seitdem er Präsident ist. Im Juni war Erdogan bei Präsidentschaftswahlen im Amt bestätigt worden. Durch eine Verfassungsreform hatte sich Erdogan als Staatschef zudem mehr Machtbefugnisse gesichert.