Ösi-Vize tritt nach Ibiza-Skandal zurück

Wer steckt hinter dem "feuchtfröhlichen" Strache-Video?

22. Mai 2019 - 11:19 Uhr

Die große Frage: Wer steckt hinter dem Skandal-Video?

In Österreich wackelt die Regierung, weil ein skandalöses Video des Vizekanzlers und FPÖ-Chefs Heinz-Christian Strache aufgetaucht ist. Es zeigt den 49-Jährigen, wie er auf Ibiza mit einer angeblichen Oligarchin in "ungezwungener und feuchtfröhlicher Urlaubsatmosphäre" über Parteispenden und die Vergabe von Bauaufträgen spricht. Die große Frage ist nun: Wer steckt hinter dem Skandal-Video?

"Falle, Falle, eine eingefädelte Falle"

Hans-Christian Strache wurde in der Villa auf Ibiza heimlich gefilmt.
Heinz-Christian Strache wurde in der Villa auf Ibiza heimlich gefilmt.
© Spiegel/SZ

Ein paar Minuten Videomaterial aus Ibiza brachten den Rechtspopulisten Strache zu Fall. Der FPÖ-Chef ist am Samstag als Vizekanzler der Alpenrepublik zurückgetreten. Das Video vom Juli 2017 - das "Spiegel" und "Süddeutscher Zeitung" zugespielt wurde - zeigt den 49-Jährigen in einer Villa auf Ibiza im Gespräch mit einer angeblichen russischen Oligarchin über Wahlkampfhilfe. Im Gegenzug könne man der Unternehmerin dann öffentliche Aufträge zuschanzen.

Strache ahnte wohl schon damals, dass etwas nicht stimmt. Seinem FPÖ-Kollegen Johann Gudenus, der ebenfalls in der Villa war, flüsterte er zu: "Falle, Falle, eine eingefädelte Falle". Der erwiderte nur: "Das ist keine Falle." Seit spätestens Freitag wissen Politiker: Es war ein fataler Fehler. Das Treffen war inszeniert. In der Villa waren mehrere Kameras heimlich angebracht.

Strache und Gudenus räumten die Zusammenkunft bereicht ein, berichtet der "Spiegel". Es sei "ein rein privates" Treffen in "lockerer, ungezwungener und feuchtfröhlicher Urlaubsatmosphäre" gewesen, teilte Strache schriftlich mit.

Jan Böhmermann kannte Video von Heinz-Christian Strache seit Wochen

ARCHIV - 30.09.2018, Bayern, München: Jan Böhmermann, TV-Entertainer, nimmt am Unternehmensgründer- und Investorentreffen Bits & Pretzels teil. (zu dpa: Böhmermann kannte Strache-Video - Andeutungen schon vor Wochen") Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bil
Woher wusste Jan Böhmermann von der Aufnahme aus Ibiza?
© dpa, Sven Hoppe, shp sab fux

Woher die Aufnahmen stammen, wollten die beiden deutschen Nachrichtenblätter nicht verraten. "Ungeklärt ist, auf wessen Betreiben die FPÖ-Politiker in die Falle gelockt wurden und welches Motiv dahinterstand", heißt es beim "Spiegel". Aber die beiden Redaktionen betonen, dass es sich nicht um Fälschungen handelt. Dass das Treffen auch wirklich stattgefunden hat, beweist zudem eine Rechnung für die Villa, die für den 22. bis zum 25. Juli 2017 für rund 2.936 Euro gemietet wurde. 

Vielleicht kann der Satiriker Jan Böhmermann Licht in Dunkeln bringen. Offenbar wusste der 38-Jährige schon im April von der Existenz der Aufnahme. Bei der Verleihung des österreichischen Fernsehpreises "Romy" witzelte er in einer Videobotschaft: Er könne nicht den Preis persönlich annehmen, weil er gerade "zugekokst und Red-Bull-betankt mit ein paar FPÖ-Geschäftsfreunden in einer russischen Oligarchenvilla auf Ibiza" abhänge. Böhmermanns Manager Peter Burtz bestätigte, dass der 38-Jährige das Video bereits seit Wochen kenne. Woher er die Aufnahmen zugespielt bekommen habe, wisse aber auch er nicht. 

Strache spricht über "Sex-Orgien von Kurz"

ARCHIV - 16.12.2017, Österreich, Wien: Sebastian Kurz (l), Bundesparteiobmann der ÖVP, und Heinz-Christian Strache, Bundesparteiobmann der FPÖ, präsentieren das Koalitionsabkommen. Österreichs Kanzler Kurz schließt nach dpa-Informationen eine weitere
In einem neu aufgetauchten Video spricht er von angeblichen "Sex-Orgien" von Kanzler Kurz.
© dpa, Roland Schlager, hkt jhe cul

Strache selbst vermutet ausländische Geheimdienste hinter der Video-Falle, sagte er am Samstag vor Journalisten. Die Veröffentlichung des Videos nannte er ein "politisches Attentat". Strache entschuldigte sich bei der Bevölkerung und bei seiner Ehefrau: "Ja, es war dumm, es war unverantwortlich und es war ein Fehler."

Trotz seiner Rücktrittserklärung schickte der Ex-Vizekanzler aber auch eine Kampfansage an diejenigen, die ihn in die Falle gelockt und das Video in Umlauf gebracht hätten: "Ich verlange die vollständige Herausgabe des Videomaterials. Ich werde alle rechtlichen Schritte unternehmen, um die Vorwürfe zu entkräften."

Doch die Schlinge um den Hals des Ex-Vizekanzlers Strache zieht sich weiter zu. In einem neu aufgetauchten Clip spricht er von "Sex-Orgien" von Kanzler Kurz, die in "Drogen-Hinterzimmern" stattgefunden hätten. Dies dürfte auch jene Passage sein, die Strache in seiner Erklärung kurz angeschnitten hat. Er entschuldigte sich dafür Gerüchte über den Kanzler verbreitet zu haben.