Österreichs Bundeskanzler im Interview

Sebastian Kurz zum Coronavirus: "Werden in eine neue Normalität kommen müssen"

07. April 2020 - 18:25 Uhr

Mit kleinen Lockerungen wolle man den Menschen eine Perspektive bieten

Österreich will nach und nach seine Beschränkungen langsam lockern - allerdings nur schrittweise, wie Bundeskanzler Sebastian Kurz im Interview mit RTL/ntv jetzt betont. Das aber "immer mit der Möglichkeit, die Notbremse zu ziehen, falls sich die Zahlen wieder verschlechtern sollten", so der österreichische ÖVP-Politiker. Im Bezug auf eine komplette Lockerung der Maßnahmen macht er für die kommenden Monate aber eine klare Ansage: "Fix ist, dass wir uns die nächsten Monate da und dort in verschiedensten Lebensbereichen weiter massiv einschränken werden müssen, damit soetwas wie neue Normalität gelingen kann." Das Coronavirus werde uns noch monatelang begleiten. Das Interview mit dem Politiker sehen Sie im Video oben.

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Österreich baut Beschränkungen schrittweise ab

Trotzdem habe man mit der Ankündigung von schrittweisen Lockerungen, wie beispielsweise der Öffnung von kleineren Geschäften, eine Perspektive bieten wollen, so Kurz. Gerade für Menschen mit nur wenigen sozialen Kontakten sei es wichtig, zu wissen, wann es vielleicht wieder besser werden könne.

Kurz hatte gestern angekündigt, dass die Alpenrepublik nach Ostern die Corona-Beschränkungen lockern werde. Das soll schrittweise passieren. Das Ziel: Ab dem 14. April sollen kleine Geschäfte sowie Bau- und Gartenmärkte unter strengen Auflagen wieder öffnen dürfen. Ab dem 1. Mai sollen größere Geschäfte, aber auch Friseurläden nachziehen. Als letztes sollen Hotels und Restaurants Mitte Mai öffnen. Die Ausgangsbeschränkungen werden dennoch bis Ende April verlängert, auch die Schulen bleiben bis Mitte Mai zu. Veranstaltungen soll es bis Ende Juni nicht geben. Außerdem soll in der Öffentlichkeit eine Schutzmaske getragen werden.

Österreich läuft seit dem 16. März auf Minimalbetrieb: Mit Ausnahme von Lebensmittelgeschäften und Drogerien ist der Einzelhandel geschlossen, sämtliche Lokale und Restaurants sind auch zu. Bisher gibt es in Österreich 12.519 bestätigte Coronafälle (Stand 7. April, 15 Uhr) und 243 Todesfälle. 

Virus-Hölle Ischgl? Das sagt Sebastian Kurz

Der Skiort Ischgl gilt als eines der Epizentren in der Corona-Krise. Zahlreiche Touristen hatten sich dort infiziert. Es gibt auch Vorwürfe, Österreich habe in Sachen Ischgl zu spät reagiert. Darauf angesprochen meint Kanzler Kurz: "Wir haben in Österreich 40 Cluster analysiert, wie sich das Virus in Österreich ausgebreitet hat. Und das ist eh klar, das ist zu einem guten Teil aus Italien nach Österreich importiert worden. Teilweise von Reisenden, aus dem Iran, aus Ägypten nach Österreich gebracht worden und dann hat es sich in Österreich ausgebreitet und so ist es ja auch in vielen anderen Ländern. Wir haben da mit einer weltweiten Pandemie zu kämpfen und insofern ist irgendwann gar nicht mehr so wichtig, wem man die Schuld gibt, sondern man muss die Situation bestmöglich lösen." Sollte aber irgendwo etwas schiefgelaufen sein, werde man das aber natürlich aufklären.

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