57-Jähriger angeklagt

Österreich: Arzt soll 109 Jungen missbraucht haben

15. Februar 2020 - 15:57 Uhr

Urologe soll in seiner Praxis Kinder und Jugendliche missbraucht haben

Die Vorwürfe klingen unglaublich: In Österreich soll Arzt über Jahre hinweg 109 Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben. 40 der Opfer waren zum Zeitpunkt der Tat noch keine 14 Jahre alt. Der 57 Jahre alte Urologe wurde bereits im Januar 2019 festgenommen. Nun will die Staatsanwaltschaft den Mann vor Gericht bringen.

Ermittler stießen in der Patientenkartei auf weitere Opfer

Der Arzt hatte seine Praxis in einem Wohnhaus in Gmunden, dort sollen auch viele der Taten passiert sein. Offenbar kam es häufig vor, dass der Urologe Patienten auch außerhalb der Öffnungszeiten behandelte, wie ein Nachbar RTL-Reporterin Natascha Größ erzählt. Er habe das als positiv wahrgenommen, nachdem die Missbrauchsfälle öffentlich wurden, erscheint das aber in einem ganz anderen Licht.

Die ersten Taten sollen sich bereits im Jahr 2000 ereignet haben, doch erst viel später kamen die Ermittlungen gegen den Arzt ins Rollen. Eins der Opfer hatte den Urologen angezeigt. Die Ermittler durchforsteten daraufhin die Patientenkartei des 57-Jährigen und stießen auf weitere Opfer. Der Arzt hatte offenbar ausschließlich Interesse an Jungen. Alle Opfer seien männlich, bestätigte Gerlinde Hellebrand, Sprecherin Landesgericht Wels, auf RTL-Anfrage.

Dem Arzt drohen nun bis zu 15 Jahre Haft

Arzt untersucht Jungen
In einer Praxis wird ein junger Patient untersucht. (Foto: Waltraud Grubitzsch/Motivbild)
© deutsche presse agentur

Bei dem Mediziner wurde laut Staatsanwaltschaft eine Pädophilie festgestellt, "die den Grad einer schwerwiegenden psychischen Störung erreicht". Im Falle einer Verurteilung drohen dem Arzt zwischen fünf und 15 Jahre Haft. "Aufgrund der Prognose, der Beschuldigte könne erneut strafbare Handlungen mit schweren Folgen begehen, wurde - zusätzlich zur Verurteilung - auch dessen Unterbringung in einer Anstalt beantragt", teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Seine Opfer soll der 57-Jährige teils schwer sexuell misshandelt haben. Ihm wird außerdem vorgeworfen, Personen zum Dreh von Pornos angestiftet zu haben, in denen Minderjährige zu sehen sind. Er selbst soll ein kinderpornografisches Foto eines achtjährigen Jungen angefertigt haben. Außerdem soll er Kinder und Jugendliche mit Cannabis versorgt haben. Zumindest drei seiner Opfer haben laut einem Gutachten "schwere Folgeschäden" davongetragen. Einige Taten spielten sich offenbar auch außerhalb der Praxis in Gmunden ab. Als Tatort wird unter anderem Ägypten angegeben.

Anklageschrift gegen den Arzt ist fertig

"Einen derart umfangreichen Fall erleben wir selten", erklärte Hellebrand. Die Anklageschrift gegen den Arzt sei nun fertig gestellt worden und alle Parteien versandt, erklärte die Gerichtssprecherin. Sollte niemand innerhalb von 14 Tagen Einspruch erheben, ist die Anklage rechtskräftig. Dann könne ein Termin für die Gerichtsverhandlung gegen den Pädophilen festgelegt werden.