Aus für den Rechtspopulisten

Ösi-Vizekanzler Strache tritt nach Video-Affäre zurück

18. Mai 2019 - 17:02 Uhr

Österreichs Kanzler Kurz hat Straches Rücktritt angenommen

Österreichs Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ist nach der Video-Affäre zurückgetreten. Das erklärte der Rechtspopulist am Samstag auf einer Pressekonferenz. Zuvor hatte Bundeskanzler Sebastian Kurz eine weitere Zusammenarbeit mit dem Rechtspopulisten ausgeschlossen. Hintergrund ist ein 2017 heimlich aufgenommenes Video, in dem der Politiker zwielichtige Geschäfte mit einer angeblich reichen Russin bespricht. Als Dank dafür, verspricht sie die Wahlkampftrommel für die FPÖ zu rühren.

Politisches Beben in Wien nach Ibiza-Video

18.05.2019, Österreich, Wien: Heinz-Christian Strache (M), Bundesobmann der FPÖ und Vizekanzler, spricht auf einer Pressekonferenz im Bundeskanzleramt. Strache (FPÖ) hat am Samstag seinen Rücktritt angeboten. Kanzler Kurz (ÖVP) werde das Angebot anne
Heinz-Christian Strache erklärt seinen Rücktritt.
© dpa, Helmut Fohringer, mtf tli fgj

Strache wolle, dass der aktuelle Verkehrsminister Norbert Hofer seine Ämter übernehme, sagte der FPÖ-Chef vor Journalisten. Die Frage ist nun, ob Kanzler Kurz das Bündnis mit der FPÖ mit Hofer an der Spitze fortsetzen oder Neuwahlen will. Gegen 13.30 Uhr will der Kanzler vor die Presse treten.

Heimliche Videoaufnahmen: Strache hielt die Frau für reiche Russin

ARCHIV - 12.12.2018, Österreich, Wien: Heinz-Christian Strache, Vizekanzler von Österreich, spricht auf einer Pressekonferenz nach einer Sitzung des Ministerrates. Österreichs Kanzler Kurz  schließt nach dpa-Informationen eine weitere Zusammenarbeit
Heinz-Christian Strache muss mit harten Konsequenzen rechnen.
© dpa, Georg Hochmuth, hog lil cul

Das Video, das "Spiegel" und "Süddeutscher Zeitung" zugespielt wurde, zeigt ein heimlich aufgezeichnetes Gespräch zwischen Strache und der Russin vor der Parlamentswahl. Die Frau gab sich als Nichte eines Oligarchen aus, die eine Viertelmilliarde Euro in Österreich investieren wolle, berichtet der "Spiegel".

Strache und der gut Russisch sprechende jetzige FPÖ-Fraktionschef Johann Gudenus schlagen der Frau im Video vor, die "Kronen-Zeitung" zu übernehmen. Über Österreichs auflagenstärkstes Blatt könne man dann in den Wahlkampf eingreifen. Er hoffte dadurch, das Ergebnis der FPÖ von 27 auf 34 Prozent zu verbessern. Im Gegenzug könne man der Russin dann öffentliche Aufträge zuschanzen.

„Feucht-fröhliche Urlaubsatmosphäre“ auf Ibiza

ARCHIV - 18.08.2018, Österreich, Gamlitz: Heinz-Christian Strache (FPÖ), Vizekanzler von Österreich, kommt zur Hochzeit von Österreichs Außenministerin Kneissl (FPÖ).  Österreichs Kanzler Kurz schließt nach dpa-Informationen eine weitere Zusammenarbe
Strache stolpert über die Ibiza-Affäre.
© dpa, Ronald Zak, RZ alh fgj cul

Das Treffen fand am 24. Juli 2017 auf der spanischen Insel Ibiza statt und war offenbar eine Falle für die FPÖ-Politiker. Die Russin habe mehrmals angedeutet, dass es sich bei ihren geplanten Investitionen um Schwarzgeld handeln könne, trotzdem verlor Strache nicht das Interesse. Eine konkrete Abmachung gab es bis zum Ende des Treffens nicht, aber die FPÖ-Politiker versprachen, der Russin entgegenzukommen.

Strache und Gudenus räumten die Zusammenkunft ein, berichtet der "Spiegel". Es sei "ein rein privates" Treffen in "lockerer, ungezwungener und feuchtfröhlicher Urlaubsatmosphäre" gewesen, teilte Strache schriftlich mit. "Auf die relevanten gesetzlichen Bestimmungen und die Notwendigkeit der Einhaltung der österreichischen Rechtsordnung wurde von mir in diesem Gespräch bei allen Themen mehrmals hingewiesen." Strache schrieb außerdem: "Im Übrigen gab es neben dem Umstand, dass viel Alkohol im Laufe des Abends gereicht wurde, auch eine hohe Sprachbarriere".

Opposition fordert Neuwahlen

ARCHIV - 17.11.2017, Österreich, Wien: ÖVP-Chef Sebastian Kurz (l) und FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache sprechen bei einer Pressekonferenz anlässlich der Koalitionsverhandlungen zwischen der ÖVP und FPÖ-Steuerungsgruppe im Palais Epstein. Österreic
Österreichs Vizekanzler Heinz-Christian Strache und Regierungschef Sebastian Kurz nach einer Pressekonferenz.
© dpa, Georg Hochmuth, hog kde abl lof

Das Video bringt nicht nur seine Partei, sondern auch die österreichische Regierung in Schwierigkeiten. Die oppositionellen Neos fordern nun Neuwahlen. "Das ist unfassbar. Das ist das Korrupteste und Widerlichste, was ich gesehen habe", sagte Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger.

Die Sozialdemokraten verlangten einen sofortigen Rücktritt von Vizekanzler Strache. "Das Video zeigt alles, sagt alles und lässt tief blicken. Der Weg in die illiberale Demokratie - für manche offenbar ein Synonym für Kleptokratie - war lang geplant", sagte Pamela Rendi-Wagner der Nachrichtenagentur APA.