Tankerkrise am Persischen Golf

Briten prüfen Sanktionen gegen Iran

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22. Juli 2019 - 14:23 Uhr

Iraner kapern britischen Tanker

Es geht um Öl, Schmuggel und vielleicht sogar um Krieg und Frieden: Der Iran lässt im Streit mit Großbritannien nicht locker. Gerade hat das Land einen britischen Öltanker nahe der eigenen Küste gekapert, und in London schrillen die Alarmglocken. Premierministerin Theresa May rief ihren Sicherheitsrat zusammen. Die Begründung der Iraner ist für May aus der Luft gegriffen – jetzt prüfe man "eine Reihe von Optionen". Eine davon: Das Vermögen Irans in Großbritannien könnte eingefroren werden.

Britischer Tanker soll Notruf ignoriert haben

Iranische Behörden hatten behauptet, es habe einen Unfall vor der Küste des Landes gegeben. Der Kapitän des britischen Tankers soll den Notruf eines Fischerbootes ignoriert haben – iranische Kräfte hätten daraufhin eingegriffen. Sie nannten das eine "Sicherheitsinspektion". Der Kommandant eines britischen Kriegsschiffs in der Region hatte die Iraner noch aufgefordert, das bleiben zu lassen. Doch das wurde ignoriert.

Schmuggel und Sanktionen

Supertanker "Grace 1" vor Gibraltar gestoppt
Wegen des Verdachts illegaler Öllieferungen für Syrien ist vor Gibraltar der Supertanker "Grace 1" gestoppt worden.
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In Wahrheit geht es aber um viel mehr. Denn schon seit Wochen gibt es Streit zwischen Großbritannien und dem Iran. Die Sache begann, als britische Kräfte vor Gibraltar einen iranischen Tanker stoppten. Der soll auf Schmuggelkurs nach Syrien gewesen sein. Und das ist verboten. Sanktionen der EU verbieten Öl-Lieferungen an das Regime des dortigen Diktators Assad. Der ist aber mit dem Iran verbündet – und der Iran braucht dringend Geld, Sanktionen hin oder her. Auch die Amerikaner schauen ganz genau zu. Denn sie haben dem Iran verboten, Öl im Ausland zu verkaufen.

Iraner räumen Racheakt indirekt ein

Dass es eigentlich um eine Art Rache geht, hat der Iran sogar schon zugegeben: "Die Revolutionsgarden haben auf die britische Entführung des iranischen Tankers reagiert", sagte Parlamentspräsident Ali Laridschani in einer im Fernsehen übertragenen Sitzung. Die Briten geben sich diplomatisch, aber der Ton ist ernst: "Wir suchen nicht die Konfrontation mit dem Iran", heißt es in einem Schreiben der Briten an den UN-Sicherheitsrat. Aber eine Bedrohung der freien Schifffahrt sei "inakzeptabel und eskalierend". Der Tanker habe sich in Hoheitsgewässern des Oman befunden, als er beschlagnahmt wurde.

Deutschland braucht freie Schifffahrt besonders

Donald Trump zeigt die Erklärung zum Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran
Donald Trump hat das Atomabkommen mit dem Iran gekündigt.
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Das sieht auch der deutsche Außenminister Heiko Maas so – dass sich Frachtschiffe und Tanker frei bewegen können, ist auch für Deutschland wichtig. Denn Deutschland lebt vom Export, und all die Autos und Maschinen aus heimischer Produktion werden per Schiff ins Ausland geliefert. Wenn diese Transporte in Gefahr geraten, kann das teuer werden. Entweder, weil man die Schiffe aufwendig beschützen müsste – oder weil Lieferungen einfach verschwinden, wenn Länder wie der Iran die Schiffe festsetzen.

Man kann davon ausgehen, dass es diesen Streit gar nicht geben würde, wenn das Atomabkommen mit dem Iran noch funktionieren würde. Der Vertrag von 2015 sollte verhindern, dass der Iran eine Atombombe baut. US-Präsident Donald Trump und Israel glauben aber nicht, dass das geklappt hätte. Trump kündigte den Vertrag daher und macht seitdem Druck auf Teheran. Wenn es den Iranern nun gelingt, Öl ins Ausland zu schmuggeln, könnten sie dem viel einfacher standhalten. Auch deswegen will der US-Verbündete Großbritannien den Iranern den Schmuggelversuch nicht durchgehen lassen.